Fortsetzung Hurezeanu - Christi

 

 

Im Pop Verlag sind zwei Gedichtbände erschienen: Elegien aus der Kälte (Übers. Edith Konradt) und die zweisprachige Ausgabe Schmucklose Gärten (Übers. Hans Dama). Hier zeigt sich Christi als von Nietzsche inspirierte bildgewaltige Apokalyptikerin und sensible Horcherin in ihr Inneres.

 

In den zehn Elegii nordice (2002) ist die Rede von Tempelherren, den Grenzen, der Jugend, dem großen Eindringling, der Unterwerfung und dem Zustand zwischen Hypnos und Daimon – mithin Themen einer Faszination für die mythischen Bilder, wie sie Ende des 19. Jahrhunderts in der Literatur entworfen wurden und hier wieder mit einer eigenen Sprache reaktiviert werden.

 

"[...]

 

So sieht Er uns; als Formen ohne Sinn –

Körper, die darauf warten,

mit einem anderen Inhalt gefüllt zu werden,

Existenzen, die gegen ihn aufbegehren,

weil sie darum ringen, sie selbst zu bleiben,

und sich aus Leibeskräften mühen,

ihr Dahintreiben auf einem Mittelweg hinauszuzögern...

[...]"

 

In Grădini austere (2010) wird dieser mystisch-religiöse Ton variiert und intensiviert. Die Nacht, der Tod, der Traum sind hier vielfach in magischen Bildern evoziert, es tauchen aber auch weitere Motive auf:

 

 

[...]                                                                                    [...]

Mă scufund, mă scufund                                      Ich versinke, ich versinke

în mierea otrăvii scăpate                                       im Honig des verpassten Giftes

din bolţi de magmă impură.                                aus den unreinen Magmabögen.

Ce furtuni în mine iscate!!                                   Was für Stürme in mir ausgebrochen sind!

 

Cad adânc, tot mai adânc                                     Ich falle tief, stets tiefer

printre antice cruci de sare,                                 zwischen antike Kreuze aus Salz,

lângă florile nopţii închise.                                  neben den Blumen verschlossener Nacht.

[...]"                                                                                   [...]"

 

oder

 

"Nu-i de făcut nimic.                                                     Es ist nichts zu machen.             

Soarele înghite cameraîn care scriu –                   Die Sonne verschlingt meine Schreibstube –   

mormănt tocmai bun de locuit                                 eine Gruft, die gerade gut zum Wohnen

de-odinioară, de azi, de mai târziu.                      vormals, derzeit und später.

Vulturul alb spintecă geamul                                     Der weiße Adler schlitzt die Scheibe auf

şi umbra-ide ceară urneşte                                         und sein Schatten aus Wachs schiebt

casa întreagă tot maispre cer.                                    das ganze Haus stets himmelwärts.

[...]"                                                                                        [...]"

 

Aura Christis Lyrik eröffnet ganze Welten der dichterischen Imagination in einer der Form gehorchenden Weise, die selbst das Pathos und die Metaphysik rezipierbar macht. Eine ungewöhnliche Dichterin der Vergangenheit und der Gegenwart.

 

 

Emil Hurezeanu: Die Anatomiestunde (Lecţia de anatomie). Gedichte. Aus dem Rumänischen übersetzt von Georg Aescht. Pop Verlag Ludwigsburg 2018, 86 Seiten, ISBN 978-3-86356-182-6

 

Emil Hurezeanu: Lyrik. Aus dem Rumänischen übersetzt von Georg Aescht. Pop Verlag Ludwigsburg 2018, 170 Seiten, ISBN978-3-86356-202-1

 

Aura Christi: Elegien aus der Kälte (Elegii nordice). Gedichte. Aus dem Rumänischen übersetzt von Edith Konradt. Pop Verlag Ludwigsburg 2008, 88 Seiten, ISBN 978-3-937139-47-0

 

Aura Christi: Schmucklose Gärten. (Grădini austere) Gedichte. Rumänisch / Deutsch. Aus dem Rumänischen übersetzt von Hans Dama. Pop Verlag Ludwigsburg 2018, 170 Seiten, ISBN 978-3-86356-189-5