DANACH...

 

Die Leipziger Buchmesse hat im Frühjahr 2018 als Gastland Rumänien begrüßt und damit eine der dynamischsten literarischen Szenerien Europas näher vorgestellt. Wir wollen dieses Ereignis zum Anlass nehmen, die Literatur, aber auch die Künste und die Geschichte sowohl Rumäniens als auch der Republik Moldau in ihren meist im Westen unbekannt gebliebenen Hintergründen als auch aktuellen Entwicklungen zu beleuchten. In Buchrezensionen, Interviews, Reportagen, Essays und Aufsätzen wollen Autorinnen und Autoren ihre eigenen Themen und ihre Perspektiven auf die Kultur Rumäniens und der Republik Moldau formulieren und damit beitragen zu einer immer noch notwendigen Aufklärung im deutschsprachigen Raum über die kulturellen Landschaften um den Karpatenbogen und zwischen Pruth und Dnjestr.

Dies soll nicht einseitig geschehen, sondern unter Einbeziehung rumänischer bzw. moldauischer AutorInnen.

 

(Kontakt unter: info@kultro.de.)

 


Was es noch zu tun gab/gibt...

Dass die rumänische Literaturszene eine dynamische und vielfältige Erscheinung innerhalb der europäischen Sprachen darstellt, hat sich bei unseren Nachbarn eher herumgesprochen als in deutschsprachigen Verlagen und Redaktionen. Ein Artikel hat vor einigen Jahren darauf aufmerksam gemacht. Vieles blieb unübersetzt, jetzt generierte erfreulicherweise der Buchmessen-Schwerpunkt mehr Interesse an Rumänien und der Moldau. Ein aktueller Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung listet zahlreiche der übersetzten AutorInnen auf, weist aber auch auf noch bestehende Defizite hin.


Präsident Johannis bestätigt!

 

 

 

 

                                                                                                                          Foto: www.kultro.de

 

 

In der Stichwahl gegen die frühere Premierministerin und PSD-Vorsitzende Viorica Dăncilă hat der der regierenden PNL nahe stehende amtierende rumänische Präsident Klaus Johannis offensichtlich nach ersten Exit Poll-Ergebnissen einen deutlichen Sieg errungen. Demnach erreichte er 65% der Stimmen, während Dăncilă nur 35% erhielt. Johannis kann somit für  weitere 5 Jahre das höchste Amt Rumäniens ausüben. Die Teilnahme an der Wahl lag bei ca. 50% der Stimmberechtigten.


Rumänien - Trakl-Land

 

 

Der Lyriker Matthias Buth

 

 

 

 

 

 

 

Rumänien in der deutschsprachigen Lyrik - ein eher seltener Fall. Neben Günther Deicke in der DDR seinerzeit sind es heute die aus dem Land  kommenden Dichter wie jene von der Aktionsgruppe Banat oder Franz Hodjak oder Alexandru Bulucz, aber auch Jan Koneffke, bei denen sich die Erfahrungen und Wahrnehmungen des Landes in dichter Sprache niederschlagen. Auf eigene Weise lässt auch  der rheinländische Jurist Matthias Buth häufig das Land in seinen bilderintensiven und reflektierten Gedichten aufscheinen. Ein vielseitiger Autor, der nicht nur in seinem Dichten ein außergewöhnliches Profil zeigt.

 

In dem Gedicht "König Michael" des neuesten Gedichtbandes von Matthias Buth, Weiß ist das Leopardenfell des Himmels (2019), sammeln sich zu Rumänien poetische Bilder einer weit reichenden, ungewöhnlichen Phantasie. 

 

"[...]

Weil Rumänien eine Insel ist die immer weiter hinausschwimmt

In die Umarmungen der Wolken

 

Sie weinen sich aus mit dem Schnee im Advent

Die unsichtbaren Gedichte Pannoniens bis hinüber zum Altreich

Bukarest will endlich ankommen in Paris

Und Timișoara hisst seine Türme um abzulegen nach Wien

[...]"

 

Ein driftendes Rumänien scheint hier auf, das dem Wasser verbunden ist - und zugleich nicht ganz bei sich, auf der Suche, immer nach außen blickend und verlangend.

 

"[...]

In den Logbüchern schreibt Enescu eine neue Oper

Um Clara Haskil zurückzuholen und alle anderen die fehlen

Und doch geblieben sind

In den aussichtslosen Versen der Meere von Odessa und Messina"

 

Musik als Medium der Erinnerung an jene Verlorenen wie auch an die aktuellen im Meer vor Messina. Anlass dieses Gedichtes ist der König im Exil: Dieses shakespearesche Motiv wird bezogen auf den Ende 2017 gestorbenen Mihail I., jenen König Michael, der als Kleinkind bereits vorübergehend in den 1920ern  Oberhaupt der Rumänen wurde, als junger Mann mit Antonescu in den Krieg zog, den die Kommunisten 1947 ins Exil zwangen und der eine Hoffnung vieler RumänInnen für eine bessere Zukunft geblieben war.

 

"Im Exil blieb er wie Romania die ferne Geliebte

Auch sie ist Exil

Reich ohne Land

 

Er schrieb keine Epistulae ex Ponto

[...]"

 

In die Rolle des Exilanten und Dichters Ovid schlüpft der Dichter selbst mit seinen elegisch gestimmten Phantasien von Landschaften, menschlichen Konstellationen, aber auch konkreten Dingen und Umständen. Es ist ein außerordentlicher Reichtum an Gegenwart und Realien in dieser sprachlich konkreten und zugleich stimmungshaften, melancholisch-abgewandten Lyrik. Ein Gedicht kann Nach Meinerzhagen heißen, oder Polizeibericht oder Der Anruf. Selten wird es nur um das Konkrete gehen, immer kommt etwas hinzu, das plötzlich die Richtung der Verse verändert, andere Perspektiven eröffnet.

Dieser Blick ist ein präziser, der die Aktualität, die Gegenwart, die Realität in eine dichterische Sprache bringt, die dennoch viel von dem Träumerisch-Utopisch-Ideellen bewahrt, ja vielfach erst gerade von der Erzeugungsmacht der Sprache her seine Kraft entwickelt.

Wie in früheren Zusammenstellungen basiert im aktuellen Gedichtband Weiß ist das Leopardenfell des Himmels diese Kraft des Lyrischen immer wieder auf der drängenden, modulierenden Macht der Musik, die auch ganz gegenständlich zum Motiv werden kann:

 

"In Klausenburg treffen nachts sich schwarze Klaviere

Sie kommen die Alleen entlang

Mit Noten von Brahms und Chopin

[...]

Und Trakl hält alle Wolken an"

 

Die melancholische Stimmung der Lyrik Georg Trakls durchzieht Buths rumänische Gedichte. Es ist ein Bewusstsein für den Verlust, der in den Dingen und Umständen liegt und niemals wieder eingeholt werden kann. Der aber produktiv wird in der sprachlichen Nachzeichnung und reflexiven Verdichtung. Das Besondere in vielen Gedichten Buths ist dabei der Bruch, der Riß in der Stimmung  durch die Hinwendung zur Realität. Ganz konkret handelt das Gedicht Der Apostel von einem Flüchtling, der über Timișoara und die Balkanroute nach Trier kommt - ein Flüchtling, der eine lange Geschichte hat.

 

Diese Perspektiven haben viel mit der Reisekunst Buths zu tun, die ihn in entfernte Gegenden geführt hat. Das Leopardenfell hat da durchaus konkrete Bezüge, der Nil oder Äthiopien spielen ihre Rolle als Schauplätze differenzierter Beobachtungen und Kombinationen. In Angola steht plötzlich die Donau da, in einem einzigartigen Bild von Weite und Verlorenheit:

 

[...]

5

Der Okavango kommt von Angola

Fließt durch die Augen der Elefanten

Langsam fast stehend sich selbst betrachtend

Wie die Donau an ihrem Ende

Das Meer vor Augen

 

Hier aber mündet nichts

Was der Himmel nicht nimmt

Entweicht ins Erdinnere

Verzweigend verzweifelt vergehend

[...]"

 

Im Nachwort zu dem Band Die Stille nach dem Axthieb (1997) bestätigt der früher Klausenburger Literaturwissenschaftler Peter Motzan die Vielfalt von Funktionen der Natur in Buths Landschaftsgedichten: "Sie ist weder heiler Weltrest noch Verkörperung unentfremdeten Lebens, sondern mal stummes und fernes Gegenüber, das wie ein Buch der Entzifferung harrt, mal Mitwelt im Alltag, durchsetzt von zivilisatorischen Elementen, mal 'Material', das sich das lyrische Ich ausleiht, um eigene Befindlichkeiten auszudrücken oder um zwischenmenschliche Beziehungen in bildhaft komprimierter Diktion zu ergründen."

 

 

In allen Lyrikbänden des "Dichterjuristen" (Petro Rychlo) schimmert durch die Welthaltigkeit eine Präferenz des Dichters für den Südosten. Danubisch titelt er in der von Helmut Braun herausgegebenen Sammlung des aus DDR-Zeiten in die neue BRD geretteten einzigartigen Projekts Poesiealbum (2019). Das Gedicht beginnt:

 

 "Wenn es nur gelänge

Wenn doch nur einmal der Rhein

Sich umlenken ließe in die Donau

 

Wenn sich die Unruhe mit dem Gleichmut

verbinden wollte

[...]"

 

In diesem Widerstreit von Gemütseigenschaften lassen sich einige der Dichotomien der Poetik Buths verorten, wenn sie immer wieder Gegensätze, Konterfaktionen, Dilemmata und Dichotomien ins Spiel bringen. Aber diese lösen immer auch ein Spiel mit der Sprache aus, in dem diese als Reservoir von Freiheit und Schönheit aufscheint.

 

Die geschlossenste Sammlung der rumänischen Gedichte bringt das von dem aus Bukarest gebürtigen, nach der

 

Ausreise in Stuttgart lebenden außerordentlichen Künstler Gert Fabritius gestaltete Heft Gott ist der Dichter aus der Reihe Die Besonderen Hefte (2018). Hier sind 10 Gedichte mit Rumänienbezug zu lesen, darunter auch eine Gedichtbetrachtung des verstorbenen Germanisten Walter Hinck zu Buths Gemeinde für Eginald Schlattner in der FAZ: 

"[...]

Die Tür atmet schwer

Wenn sie nachgeben muss

 

Er streicht Wellen über die Bänke

Leergebetet seit Jahren

 

Die Orgel tropft Stille

Im Chor spielen die Fenster

 

Dann breitet er seine Arme

Und tröstet Gott

[...]"

 

Die religiöse Komponente dieser Psalmen und andere Liebesgedichte ist nicht zu übersehen, was aber sich nicht unbedingt in einem Bekenntnis äußert, sondern in ihrer reflektierten Präsenz in der Welt. Schön gefasst in Großau / Siebenbürgen:

 

Milch perlt aus den Manualen

Wenn der Alte

Seine Orgel pflügt

Die spitzen Fenster werden

Still und spiegeln den Turm

Den geduldigen Zuhörer

 

Die Kirche ein Storchennest

Vom Winter verinselt

[...]"

 

Orgelmusik findet sich nicht zuletzt deshalb häufig in den Gedichten Buths aufgerufen. Sie steht für den konzentrierten Ausdruck einer Musikliebe, aber weit darüber hinaus bündelt das Bild des Instruments auch  Geschichte, Kultur, Orte, Kirchengebäude, Menschen. Es erstaunt nicht, dass eine Reihe von Buths Gedichten auch vertont wurden.

Nicht nur in der Evokation der Orgelmusik öffnet Buth einen Weg in eine  Kulturgeschichte Deutschlands, in der dieses Kircheninstrument zu unterschiedlichen Zeiten eine besondere Rolle spielte. Buth stößt jenseits der tümelnden Verherrlichung der Orgel in nationalistischer Kulturauffassung in eine präzise Unterscheidung zwischen dem Weg in die Sackgasse und den kulturellen Leistungen aus Deutschland vor. Emphatisch wird deutsch mit positiven Bildern und Beispielen belegt. Die überschäumende Bildlichkeit lässt auch jene Nuancen zu Wort kommen, durch die kein endgültiges Urteil über das allgemeine Wort deutsch zugelassen wird. Buths Bilder aber sind nicht nur emotional bedingt, sondern durchaus reflektiert wie die Sammlung Seid umschlungen (2017) von im Laufe der Jahre entstandenen Essays belegt. Am Beispiel der Wertschätzung der Lyrik Reiner Kunzes hebt Buth hervor, dass nach der Vereinigung "wir uns bei der nationalen Selbstbefragung aus[weichen]". Und  dabei auch die vielen Beziehungen und Bezüge zu anderen Sprachen und Kulturen übersehen. Eine 30 Jahre nach der Wende immer wieder virulente Fragestellung.

Sie liegt Buth am Herzen, nicht zuletzt da er beruflich intensiv mit der deutschen Kultur und ihrer Organisation beschäftigt war. Der Jurist, der mit einer Arbeit über das DDR-Militärstrafrecht promovierte, war langjährig in der bundesdeutschen und dann gesamtdeutschen Kulturpolitik gegenüber den osteuropäischen Staaten mit früherer deutscher Bevölkerung befasst und damit auch an der Einrichtung diverser Institute für die früheren Vertriebenenverbände. Buths Kenntnis der östlichen Nachbarländer und Rumäniens ist nicht nur eine der lyrischen Phantasie. So weiß auch das Potsdamer Kulturforum für die Deutschen im östlichen Europa seinen institutionellen Einsatz zu schätzen. Für seine Bemühungen um Rumänien verlieh ihm der rumänische Staatspräsident Klaus Johannis den Nationalen Kulturverdienstorden, das im Frühjahr 2020 in Berlin überreicht wird.

 

 

"[...]

Timișoara meine  Freundin

Über Dein Gesicht

Springen Delphine

Sie wollen blickaufwärts

Immer wieder

Ins sanfte Banat

Es siedelt hinter den Lidern"

 

(Timișoara, in: Die Stille nach dem Axthieb, S. 33)

 

Weiß ist das Leopardenfell des Himmels. Neue Gedichte. Mit einem Nachwort von Jörg Aufenanger. Berlin: PalmArtPress 2019, 157 Seiten, ISBN 978-3-96258-035-3

 

Poesiealbum 344: Matthias Buth. Auswahl von Helmut Braun. Grafik: Hans-Hendrik Grimmling. Wilhelmshorst: Märkischer Verlag 2019, 32 Seiten, ISSN 1865-5874

 

Gott ist der Dichter. Psalmen und andere Liebesgedichte. Einband: Gert Fabritius. Wuppertal: NordPark Verlag 2018, 64 Seiten, ISBN 978-3-943940-30-5

 

Die Stille nach dem Axthieb. Gedichte. Mit zwei Illustrationen von Helena Wernischová und einem Nachwort von Peter Motzan. Eisingen: Heiderhoff Verlag 1997 (Lyrikreihe "Das Neueste Gedicht" Neue Folge 43), 152 Seiten, ISBN 3-921640-98-9

 

Seid umschlungen. Feuilletons zu Kultur und Zeitgeschichte. Mit einem Vorwort von Peter Steinbach. Berlin: Vorwerk 8 2017, 296 Seiten, ISBN 978-3-940384-92-8


Regierungskrise in Chișinău

 

 

Premierministerin Maia Sandu gestürzt

 

 

 

Nach den Parlamentswahlen in der Republik Moldau im Februar 2019 brauchte es einige Zeit, bis eine neue Regierung zustande kam. Keine der Parteien hatte eine stabile Mehrheit, schwierig waren die Verhandlungen zu möglichen Koalitionen. Überraschend bildete der Parteienblock ACUM (aus PAS [Partidul Acțiune și Solidaritate] und DA [Dignitate și Adevăr]), der sich als für die Zivilgesellschaft stehend bezeichnet, zusammen mit den Sozialisten des PSRM eine Regierung mit der jungen Maia Sandu von ACUM als Premierministerin. Wenig erbaut von dieser Koalition waren die Oppositionspartei PLDM (Liberaldemokraten) und insbesondere der PDM (Partidul Democrat), da die Absicht des Kompromisses offensichtlich darin lag, den PDM des geflüchteten Oligarchen Vlad Plahotniuc von der Regierung fernzuhalten.

Viele Beobachter hofften trotz der Regierungsbeteiligung der russlandfreundlichen Sozialisten bereits auf eine neue Wendung nach Westen. Sandu reiste nach Brüssel, Washington, Bukarest und verkündete ihre Absicht, Partnerschaften mit den USA oder der EU einzugehen. Einen deutlichen Dämpfer brachte allerdings die Wahl zum Oberbürgermeister der Hauptstadt Chișinău, bei der in der Stichwahl der sozialistische Kandidat Ion Ceban gegen Andrei Năstase (PPD), den Kandidaten von ACUM und Innenminister, gewann. Diese Wahl war notwendig geworden, nachdem 2018 der gewählte ACUM-Politiker wegen eines Gerichtsurteils das Amt nicht antreten durfte, was zahlreiche Proteste der Zivilgesellschaft hervorgerufen hatte. Interim führte Năstase dennoch das Amt und wurde sogar im September offiziell als Bürgermeister anerkannt. Die Wahl Cebans galt bereits als schlechtes Omen für die Unterstützung der Regierung Sandu durch die Sozialisten. Die Kommunalwahlen brachten landesweit Gewinne für PolitikerInnen der PSMR. Sie gewann die Mehrzahl in 15 Raionen, ACUM in 11, PDM in 6. 

Anlass für den Sturz der Regierung am 12. 11. dürfte allerdings die Absicht gewesen zu sein, die Justiz neu zu organisieren und den Generalstaatsanwalt durch die Premierministerin vorschlagen zu lassen. Hiergegen intervenierte insbesondere der russlandfreundliche Staatspräsident Igor Dodon (PSMR). Mittlerweile errang auch ein PSMR-Politiker die Position des Präsidenten des Verfassungsgerichts-hofs.

Innerhalb zweier Tage nach Sturz der Regierung Sandu wurde der frühere Finanzminister und Präsidentenberater Ion Chicu zum Premier ernannt und am 14.11.2019 seine neue "technokratische" Regierung mit den Stimmen von PSMR und PDM vereidigt. In Richtung EU versprach er im Parlament eine "ausgewogene Außenpolitik" im Interesse der Republik Moldau. Kritiker sehen in Chicus Regierung eine Voraussetzung für die Sammlung der Macht in den Händen des pro-russischen Präsidenten Dodon.


Präsidentschaftswahl am 10. November 2019

 

Am kommenden Sonntag, 10. November, finden in Rumänien die Wahlen zum Präsidentenamt statt. 14 KandidatInnen sind vom zentralen Wahlbüro aufgrund von mehreren Kriterien (u.a. das Vorweisen von 200000 Unterstützerunterschriften bei Parteiangehörigen, 100000 bei Unabhängigen) zur Wahl zugelassen worden. Darunter sind der jetzige Amtsinhaber Klaus Johannis für die PNL, die als Premierministerin gerade abgewählte PSD-Vorsitzende Viorica Dăncilă, der Schauspieler Mircea Diaconu für die liberale Allianz ALDE, der Vorsitzende der neuen Partei USR, Dan Barna, der Vorsitzende der Ungarn-Partei UDMR, Kelemen Hunor, der Vorsitzende der im Parlament vertretenen Partei PMP, Theodor Paleologu, die unabhängigen Kandidaten Bogdan Marian-Stanoevici und Alexandru Cumpănașu. In der Diaspora kann bereits ab Freitag, 8. November in einer größeren Zahl von Wahllokalen als bisher gewählt werden. Ebenso besteht im Ausland die Möglichkeit der Briefwahl.

Bisher gehen alle Prognosen von einem Sieg des Amtsinhabers Klaus Johannis aus, während Unsicherheit besteht über die Höhe der Wahlbeteiligung und die Frage, wem Johannis sich in einer evtl. nötigen Stichwahl am 24. November stellen muss.

 

UPDATE 10.11.2019

Erste Ergebnisse der Wahlbehörde BEC lassen eine Stichwahl zwischen Präsident Klaus Johannis und PSD-Chefin Viorica Dăncilă erwarten: Demnach erreicht Johannis 36% der Stimmen und Dăncilă 25%. Auf dem dritten Platz liegt Dan Barna von der alternativen Partei USR mit 12%. Die Wahlbeteiligung lag bei etwa 47% der Stimmberechtigten.

 

UPDATE 11.11.2019

Die Wahlbehörde BEC gibt als Ergebnis nach der Auszählung von 95,89% der Stimmen bekannt, dass für Klaus Johannis 36,92%, Viorica Dăncilă 23,45%, Dan Barna 14,19%, Mircea Diaconu 9,17%, Theodor Paleologu 5,69%, Kelemen Hunor 4,13% votiert haben.


Vlad Țepeș in ungarischen, türkischen, italienischen  Quellen

 

 

Der Band des Corpus Draculianum zu den Überlieferungskreisen II und III

 

 

 

 

 

 Mit dem Teilband 1/2 sammelt das Corpus Draculianum die Überlieferungskreise II und III aus den ungarischen, osmanischen, moldauischen, polnischen, kaffensischen, italienischen, französi-schen, deutschen Dokumenten. Es handelt sich um 121 Briefe und Urkunden in sechs Sprachen, die nach den Einteilungskriterien der Herausgeber in Überlieferungskreise nicht von Vlad Țepeș oder seiner Kanzlei selbst (Überlieferungskreis I) stammen, sondern an ihn und seine Kanzlei gerichtet sind, ihn erwähnen oder sehr nahe Handlungen des Vlad III. Drăculea betreffen. Dabei stellt Überlieferungskreis III noch einmal eine weitere Distanz dar, indem dort Texte gesammelt werden, deren "Aussteller keine direkten diplomatischen Beziehungen zu V. und anderen walachischen Herrschaftseliten unterhielten, sondern lediglich mit seinen Nachbarn in Verbindung standen und auf deren Informationen angewiesen waren". (185) Dennoch "sind ihre Berichte von außerordentlichem Wert für die Rekonstruktion der Biographie des Woiwoden, die aufgrund der hohen Archivverluste in der Region zahlreiche Lücken aufweist." (185) Während Überlieferungskreis II vor allem ungarische Dokumente beinhaltet, greift Überliefe-rungskreis III auf die reichen italienischen Archive der Städte Venedig und Mailand zurück. Dieser Überlieferungskreis beinhaltet vor allem die Abschriften von kontinuierlichen Berichten des Abgesandten nach Buda, Pietro di Tommaso, oder des Mailänder Vertreters in Venedig, Antonio Guidobono, der hartnäckig eingegangene Nachrichten aus Südosteuropa an den Sforza-Hof in Mailand weiterleitete. Hinzu kommen eine Reihe von aufgefundenen Einzelbriefen zu unterschiedlichsten Anlässen aus verschiedenen Archiven. Als Einzelbrief stellt das Schreiben des Sultans Mehmed II., das den Walacheifeldzug von 1462 beschreibt, ein Highlight dar, das hier erstmals publiziert und faksimiliert wird.

Einige Ergänzungsquellen beleuchten bisher wenig bekannte historische Vorgänge um Vlad, wie etwa seinen Hauskauf in Pécs.

Der zeitliche Rahmen dieser Quellen in Band 1/2 umfasst Vlads Biographie in der Zeit von 1452 bis 1477. Fotos zeigen zur Illustration einige der Quellen in ihrem Aussehen und Zustand.

Die Einteilung in Überlieferungskreise geht zurück auf die Absicht der Herausgeber, mit der Quellenedition die Herkunft der Vielfalt der sehr unterschiedlichen Perspektiven auf den Dracula-Woiwoden präzise zu bestimmen. In ihrer einleitenden Begleitstudie zu Band 1/2 führen sie aus, dass die Bewertung Vlads nicht auf einzelne Quellen, Autorengruppen, Herrschereliten, Volksgruppen, reduziert werden kann, sondern dass zwischen diesen mitunter subtile Abhängigkeiten bestehen. So machen die in diesem Band publizierten Quellen oft eine geringe Bedeutung Vlads für die Venezianer und Genuesen plausibel, wenn es um die militärische Situation gegenüber dem osmanischen Reich geht - von den Vlad zugeschriebenen Greueln ist da nicht die Rede. Die hier publizierten Quellen "zwischen Ereignisgeschichte und narrativer Traditionsbildung" (XV) machen deutlich, wie kompliziert die ja nicht immer sehr üppige Quellenlage die Frage nach der Beurteilung Vlad Țepeș durch seine Zeitgenossen macht.

 

Corpus Draculianum. Dokumente und Chroniken zum walachischen Fürsten Vlad dem Pfähler 1448-1650. Hg. v. Thomas M. Bohn, Adrian Gheorghe, Christof Paulus und Albert Weber. Bd. 1. Briefe und Urkunden. Teil 2: Die Überlieferung aus dem Königreich Ungarn und dem Mittelmeerraum. Bearbeiter Adrian Gheorghe und Albert Weber und Christof Paulus. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag 2018, ISBN 978-3-447-10628-3, 361 S., zahlr. Abb.

 


Fußball und Lyrik

 

 

Die Spitzen-Elf der rumänischen DichterInnen

 

 

Seit Ringelnatz' oder Robert Gernhardts Tagen ist der Zusammenhang von Fußball und Lyrik nicht mehr von der Hand zu weisen und wird immer wieder neu aktualisiert. Für die rumänische Dichtung hat dies jetzt Bogdan Coșa mit aktuellen Beispielen erneuert - eine Spitzenelf aktueller lyrischer Wortakrobatik.

 

Es ist  - lyrisch gesehen - eine junge Mannschaft, die meisten der AutorInnen kommen aus den 1980er Jahren, sind spielerisch versiert und mit allen traditionellen und neuesten Methoden des Spiels mit der Sprache vertraut. Auf einer "Pressekonferenz" erklärt Coșa, dass im Tor (aber mit der Nummer 5!) V. Leac steht, da er "dem Experiment gewidmet [...] ein radikal anderer Autor als seine Kollegen [ist], so wie es eben nur ein Torhüter in Vergleich zu seinen Feldspielern sein kann." Schöner Vergleich, der V. Leac in seiner ausgeglichenen Versponnenheit gerecht wird. Nr. 1 (die Spitze im Sturm) ist der in Deutschland lebende  Ionuț Chiva, der in seinen Gedichten ironisch  die Existenz von Drop-outs und ihre Liebesnöte sprachreich in Vergleiche fasst (und auch des jugendlichen Fußballspiels gedenkt: "meine freunde, die jungbullen, / sahen so krank aus, als sie, vom fenster aus gesehen, / ohne mich fußball spielten. im innenhof // waren die kanaldeckel von einer feinen / rostschicht bedeckt. meine freunde, die lahmen, traten den ball / und dann einander und dann saßen sie auf den treppen und, / von einer feinen schicht asche bedeckt, sprachen sie miteinander.//". Der erfahrene Dan Sociu steuert Einblicke in die Realität rumänischer Krankenhäuser bei und führt gekonnt die Überheblichkeitstänze eines um eine Frau werbenden Losers vor.

Als Verteidiger sind nominiert Andrei Doboș, Ruxandra Novac und Gabi Eftimie. Doboș ist u.a. mit einem in diesen verdorrten Zeiten so erfrischenden Regengedicht vertreten, Novacs präzise Mikrobeobachtungen sind durchsetzt mit expressionistisch wirkenden organisch-technischen Hybridstrukturen ("wo ist unsere seele, die einem vogel gleicht / wo ist denn unsere perfekte gesundheit / unser perfekter lärm / wo sind denn die ekstatischen schwingungen / wo das marihuana und die träume / das delirium und das unglück in kleinen, verschwitzten räumen / der veraltete aufstand wie in einem film über bauern //").  Die städtischen Beobachtungen der in Schweden lebenden Eftimie erweitern sich ins Internet oder gar ins Weltall ("Wird er schlussendlich, nach Lichtjahren des fallens, abstürzen / oder wird er in diesem Astronautenanzug / weiterhin verrotten, / wird er sich zusammen mit Abfällen von Raumstationen um die Erde drehen?"). Noch stärker in die Lebens- und Gefühlswelt schiebt die jüngere musikalische Stürmerin Cosmina Moroșan die elektronische Technik, wenn sie schreibt: "Das Telefon ist jetzt die einzige Verwandtschaft, / das ganze Gleichgewicht - dein verstohlener Blick unter den Menschen". Ihr verdankt sich auch ein Blick in die Stimmungslage einer verliebten Bumenhändlerin. Diese Frauenstimmen lassen die Stärke dieser Spitzenelf erkennen in ihrer durch mediale, substitutive und sprachliche Rückkopplungen produzierten grellen präzisen Bilder. Auch Stürmer Andrei Dósa setzt sich mit der fragwürdigen Folgen der Existenz von google u. Co. auseinander, wandert auch in spirituelle Alternativen oder beschreibt ganz realistisch den Tag einer rumänischen Putzfrau im Ausland mit ihren Illusionen. Sehr traumverloren die Gedichte von Alex Văsieș aus Bistrița, in dessen Pastorala Alemană auch der Name von Robert Zieler auftaucht - immerhin! Ansonsten auch hier Bezüge zur Digitalisierung und Allusionen auf die Traumwelt des frühen Mircea Cărtărescu. Im Zentrum spielt die Nr. 11, die ebenfalls in Schweden lebende Elena Vlădăreanu, deren Gedichte sich mit dem Klischee "der Rumänen" beschäftigen, aber auch dem Verbrauch von Plastiktüten und -flaschen.

So skizziert die Anthologie das Bild einer Mannschaft, die aktuelle Themen und Formen der rumänischsprachigen Lyrik repräsentiert. In dem großzügig gestalteten, zweisprachigen Band des noch jungen Verlags wirken die Übersetzungen von Daria Schnut-Hainz angemessen prosahaft, wenn auch nicht in jedem Detail  auf den Punkt präzise.

Aus dem an merk-würdigen Sprachbildern reichen Band, in dem neben "online", "kokain" oder "roboter" durchaus noch oft "Sonnenblumen", "wodkaflaschen" oder "wohnblocks" vorkommen, bleiben Formulierungen hängen wie: "es regnet in den Kaffee, der draußen am Balkon vergessen wurde / und in den Aschenbecher / Schaum und stechender Rauch" (Diomid; Andrei Doboș) oder "Der gesamte Raum eine breite Straße, / das dumpfe Brummen des Zählers in der Nacht, / das einzigartige Atmen in den Wänden. "(Space; Cosmina Moroșan).

 

Bogdan Coșa: Die Spitzen-Elf. Primul unsprezece. Zweisprachig Rumänisch-Deutsch. Aus dem Rumänischen von Daria Schnut-Hainz. Ulm: danube books 2018. 217 Seiten, ISBN: 978-3-946046-11-0


Katharina Biegger

 

 

New Europe College, Bukarest,

 

1994 bis 2019 und weiter!

 

 

Foto: NEC

 

Als Institute for Advanced Study in den Geistes- und Sozialwissenschaften unterstützt das New Europe College in Bukarest seit nun über 25 Jahren besonders talentierte Forscherinnen und Forscher, hauptsächlich aus Rumänien und den angrenzenden Ländern, aber auch weltweit: Sie können sich bewerben um Fellowships von ein oder zwei Semestern. Die Nachfrage ist groß, die Auswahl der jährlich rund 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler durch den internationalen Beirat streng. Das NEC unterstützt nicht allein finanziell, sondern bietet zugleich eine gute Infrastruktur und ermöglicht die Konzentration auf die Forschung. Es befördert zwanglos die Internationalisierung und setzt hohe Maßstäbe, da sich die Stipendiaten Seite an Seite mit ausgesuchten Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ländern und anderen Disziplinen finden. So werden Denkroutinen gelöst und ein Ambiente geschaffen, von dem man sich eine kritische Infragestellung und Bereicherung der Arbeit der Einzelnen erhoffen kann. So die Kurzbeschreibung für den heutigen Zustand.

Als das New Europe College (NEC) in den frühen 90er Jahren erdacht und schließlich am 26. Januar 1994 als ‚Persönlichkeit‘ nach rumänischem Recht institutionalisiert wurde, nahm sich das alles bescheidener, vorläufiger aus – und doch war der Kerngedanke derselbe. Die Gründer, allen voran der Philosoph Andrei Pleşu, waren entschlossen, eine neuartige, im Bildungs- und Forschungssystem des Landes bisher unbekannte und förderliche Institution zu schaffen und zu gestalten: Der einzelne Forscher, die einzelne Forscherin sollten im Mittelpunkt stehen und frei entscheiden können, worüber sie arbeiten wollten. Zugleich sollten die für jeweils ein akademisches Jahr ausgewählten und unterstützten Stipendiaten (Fellows) aber auch miteinander ins Gespräch gebracht werden. Daher waren regelmäßige Treffen vorgesehen, die nicht wie (Partei-) Sitzungen straff geplant und geführt, sondern liebevoll als causeries de mercredi bezeichnet wurden: Sie dienten der Verständigung über die konkreten Forschungsvorhaben der Beteiligten, aber auch der Diskussion von Fragen der Erkenntnis, der Wissenschaft und Gesellschaft insgesamt. Im Laufe der Monate sollte Vertrauen entstehen zwischen den Fellows, Voraussetzung echter Gespräche, und ein Verständnis für das Vorgehen verschiedener Wissenschaftszweige. Derweil sorgte das Institut mit wenig Mitteln, aber großem persönlichen Einsatz für Unterstützung. Dazu zählte damals beispielsweise der Zugang zu Fax- und Kopiergerät sowie auch zu PCs – diese Umstände vergegenwärtigt man sich heute vielleicht nicht mehr, das konnte aber damals karriereentscheidend sein und war unter Umständen mit erheblichen Mühen verbunden. Besonders wertvoll waren auch die internationalen Verbindungen, in denen das NEC entstand, und die Zuwendung der westlichen Partner: Die persönlichen Kontakte zu hochrangigen Kolleginnen und Kollegen war für die ersten Fellows – kaum einer von ihnen hatte zuvor seine Forschungen nach eigenen Maßstäben verfolgen oder gar eine Konferenz im Ausland besuchen können – von großer Bedeutung. Die Fellowships enthielten auch immer die Mittel für einen Extra-Monat im Ausland, an einer Institution, die sich für die spezifischen Forschungen der Einzelnen besonders anbot. Durch die Einbindung des von Anfang an international und hochrangig besetzten wissenschaftlichen Beirats und die Einladung berühmter Gastprofessoren bot das NEC seinen Fellows zusätzliche Möglichkeiten der Vernetzung an.

Alle diese Elemente der Fördertätigkeit des Instituts waren sorgfältig bedacht und basierten auf der Diagnose, die Andrei Pleşu seinem Land und speziell dem Bereich der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften gestellt hatte: weithin ideologisch verkrüppelt und obsolet, unterfinanziert und ideen-arm, beschränkt und parzelliert, unfähig zu Austausch und Kooperation. Dass es möglich wurde, ein solches Angebot für rumänische Forscherinnen und Forscher zu realisieren, ist aber auch der Auf-bruchsstimmung und Hilfsbereitschaft des Westens in der Nachwendezeit zu danken: Staaten und Stiftungen ließen sich von der Idee begeistern und trugen finanziell zu Aufbau und Betrieb des Instituts bei.

Ein Vierteljahrhundert später hat sich der Kontext gewaltig verändert. Rumänien gehört der EU an; Menschen reisen ohne Visa ein und aus, der durchschnittliche Lebensstandard ist gestiegen, die Wirtschaft wächst. Gelder für Forschung in Rumänien (und vieles andere mehr) fließt aus den Fördertöpfen der Union, sei es direkt, sei es über das eigene Bildungs- oder Forschungsministerium. In Bukarest boomen die Geschäfte, Neubauviertel entstehen rundum in der Hauptstadt, die Kommunikations- und Informationstechnologie ist auf modernem Stand. Zugleich freilich ist die politische Situation unerfreulich: echte Reformen gelähmt durch Querelen aller Art, durch Machtkämpfe, Korruption, Kurzsichtigkeit, Proteste und mangelnde Konstanz – in wenigen Jahren wurden die für Wissenschaft und Forschung zuständigen Regierungsressorts mehrfach umgestaltet, getrennt, anderen Ministerien zugeordnet, wieder neu verschmolzen, das zugehörige Spitzenpersonal ausgetauscht (ScienceǀBusiness zählte 2018 sechs ausgewechselte Forschungsminister für die vergangenen zwei Jahre!), was verlässliche Arbeitsbeziehungen nahezu unmöglich macht. Und die rumänischen Staatsausgaben für Forschung und Innovation befinden sich EU-weit auf einem der niedrigsten Plätze.

Eine dermaßen dynamische Periode wie die vergangenen Jahrzehnte stellt eine kleine, unabhängige Institution wie das NEC auf eine harte Probe. Wie viel an Konstanz ist zu halten, welche Maßnahmen sind den Anforderungen der Gegenwart noch angemessen? Wie ist auf die neuen Entwicklungen zu reagieren, welche neuen Aufgaben sind anzupacken?

Das New Europe College ist seit seiner Gründung deutlich gewachsen. Seit der Jahrtausendwende residiert es in einem gepflegten Gebäude, wo Veranstaltungsräume, Büros und Bibliothek untergebracht sind; in Studios können sogar einige Fellows unter dem eigenem Dach beherbergt werden. Es ist wahrlich ein Glücksfall, dass die Schweizerische Eidgenossenschaft die Nutzung dieser Immobilie an das Institut abgetreten hat: Dadurch wurden Aktionspotential und Sichtbarkeit des NEC deutlich erhöht. Zu Vorträgen, Diskussionsrunden oder auch Konzerten kann nun ein größeres Publikum eingeladen werden. Getreu den ursprünglichen Gedanken des Gründers und bestärkt durch Anregungen aus dem international besetzten Stiftungsrat nimmt das Institut neuerdings verstärkt die Aufgabe wahr, auch in die Öffentlichkeit hineinzuwirken. Es will nicht nur zur Innovation in der Wissenschaft beitragen, sondern auch zur Weiterentwicklung einer demokratischen, freiheitlichen Gesellschaft mit Debatten zu relevanten Fragen der Gegenwart. Gerne arbeitet das Institut dabei auch zusammen mit anderen Partnern (Wissenschafts- und Kulturinstituten, Botschaften, zivilgesell-schaftlichen Organisationen).

Das wichtigste Element im ‚Portfolio‘ des NEC sind jedoch Fellowships für herausragende Nachwuchsforscher geblieben. Gewiss, es gibt heute manche Angebote für junge, gute, ehrgeizige Wissenschaftler auch im Osten Europas, wenn nicht im Lande selbst, dann doch international. Kaum einer der Bewerber am NEC ist ohne Auslandserfahrung. Was Fellowships aber bieten können, das ist förderlich wie eh: finanzielle und administrative Unterstützung, intellektuelle Auffrischung und Anregung, Konzentration auf ein wichtiges Projekt, zugleich aber auch Einladung zum Dialog und zur Verständigung mit Anderen. Während zunächst nur rumänische Wissenschaftler berücksichtigt wurden, hat das NEC bald auch Programme mit unterschiedlichen Zielrichtungen aufgelegt. Dazu kamen Module für Rückkehrer aus dem Ausland, mit der Motivation, dem brain drain etwas entgegenzusetzen. Als sich das Institut im Lande gut etabliert hatte, öffnete es seine Pforten für wissenschaftliche Nachwuchskräfte aus den Nachbarländern Rumäniens, schließlich für Interessenten weltweit. Einen besonderen Fokus hat das NEC in den letzten Jahren, mit substantieller Unterstützung der VolkswagenStiftung, auf einen Ausbau der Angebote für begabte Akademiker und Intellektuelle aus den Ländern rings ums Schwarze Meer gelegt: ein gezielter Beitrag zur europäischen Nachbarschaftspolitik im Wissenschaftsbereich.

Eine neue Funktion hat das Institut angenommen, indem es auch als Plattform dient für Alumni und Alumnae, die bei anderen Stellen (Forschungsfonds, Stiftungen) erfolgreiche Projektanträge gestellt haben. Mit seiner Erfahrung, seiner effizienten, zuverlässigen und flexiblen Verwaltung ist es als Servicedienstleister im Vergleich mit den bürokratischen, schwerfälligen Staatsinstitutionen ideal aufgestellt. Das zeigt sich etwa bei den hoch renommierten (und hoch dotierten) grants des European Research Councils: Von den insgesamt sechs Projekten, die von rumänischen Forschern bisher ins Land geholt wurden, sind deren drei vom NEC aus gestellt worden – dieser kleinen, unabhängigen Struktur, einem Winzling gemessen an den großen Universitäten oder den Akademieinstituten! So ermutigt das Institut auch ehrgeizige junge, im Ausland ausgebildete Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, nach Rumänien zurückzukehren und von da aus ihre Projekte zu betreiben.

Voraussetzung solcher Leistungen des NEC ist das Engagement seiner langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie verkörpern das institutionelle Gedächtnis, kumulieren Erfahrung und Kompetenz und haben großes Vertrauen aufgebaut - ein ganz wesentliches institutionelles Kapital in solchen Umbruchszeiten. Einen Schatz besitzt das Institut auch in der großen Schar seiner Ehemaligen. Die meisten sind in Universitäten und Forschungsinstituten tätig geblieben und tragen dort zur Reform der Strukturen bei. So darf man konstatieren, dass das NEC eines seiner Gründungsziele erreicht hat: sich für die Erneuerung einer wissenschaftlichen, intellektuellen und politischen Funktionselite einzusetzen.

Für die Fellowships rumänischer Postdoktorandinnen und Postdoktoranden trägt seit nun mehr als zehn Jahren der eigene Staat als Geldgeber bei. Aber um den Grundbedarf des Instituts zu decken und die internationale Ausrichtung zu sichern, bedarf es wie seit 1994 der Unterstützung aus dem westlichen Ausland. Während es kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs eine großzügige Spendebereitschaft gab, ist es dreißig Jahre später schwer geworden, Geld für die Arbeit dieses hervorragenden Instituts einzuwerben – obwohl seine Aktivität unter den heutigen Bedingungen so wertvoll ist wie früher, wenn auch mit anderen gesellschaftspolitischen Begründungen. Aber das NEC wird weiterhin versuchen, Stiftungen in Deutschland, Österreich, in der Schweiz und anderswo davon zu überzeugen, dass sich ein Einsatz hier „lohnt“, dass für vergleichsweise geringe Mittel große Wirkungen erreicht werden können. Zugleich hat das Institut auch energisch die Suche nach privaten Sponsoren innerhalb Rumäniens angepackt und kann stolz auf erste Erfolge verweisen.

Zum Geburtstag ist diesem initiativen und effektiven Zentrum für herausragende Forschung und intellektuellen Dialog zu wünschen, dass es noch viele Jahre bestehen und im Wandel seiner Mission treu bleiben möge. Zahlreiche Forscherinnen und Forscher, Bürger und Intellektuelle werden Gewinn davon haben, denn dies ist ein Ort, wo Europäer aus Ost und West, aus Nord und Süd sich treffen und ganz selbstverständlich in verschiedenen Sprachen vortragen, diskutieren und sich austauschen können.

 

30.09.2019

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: NEC

 

25 Jahre New Europe College (NEC) in Bukarest
 

 Der Leuchtturm der Advanced Studies in Südosteuropa

 

 

Die Anfänge waren mehr als bescheiden: Die wenigen Stipendiaten wohnten in den Wohnungen des Direktors Andrei Pleșu und der Architektin Marina Hasnaș, die die administrativ-finanzielle Seite des Vorhabens betreute. Von dort wurde auch die Verwaltung gemacht, es gab kein eigenes Gebäude, keine Bibliothek und keine weiteren Angestellten. Treffen der Fellows fanden in den Gärten befreundeter Hausbesitzer statt. Heute ist das NEC in Bukarest in einem schönen eigenen Gebäude in der Strada Plantelor im malerischen Viertel Măntuleasă untergebracht mit Räumen für Fellows aus aller Welt, es gibt ein eingespieltes Team, das zahlreiche Programme und Aktivitäten anleitet und eine wohl ausgestattete geisteswissenschaftliche Bibliothek.

 

Dass dieses Zentrum für fortgeschrittene Studien seinen Anfang nehmen konnte, hat mit dem Berliner Wissenschaftskolleg zu tun, wo der frühere rumänische Kulturminister Andrei Pleșu als Fellow sich für die Idee dieser nach amerikanischem Vorbild eingerichteten Forschungseinrichtung begeisterte. Das Angebot von der damaligen Wiko-Leitung unter Wolfgang Lepenies, doch einen Antrag zu formulieren, den dann das Wiko bei Stiftungen oder Institutionen unterstütze, führte tatsächlich zum Erfolg und dem bescheidenen Beginn des heutigen, weit über Rumänien hinaus strahlenden Kollegs. Möglich wurde dies, weil eine Reihe von Institutes for Advanced Studies, Stiftungen und Ministerien in Europa und Amerika einen Preis an Pleșu verliehen, der die finanzielle Basis des neuen Kollegs werden sollte.

 

Direktorin des NEC ist mittlerweile die Pianistin und Musikwissenschaftlerin Valentina Sandu-Dediu, die 2014 Andrei Pleșu ablöste. Im Gespräch mit ihr und Lelia Ciobotariu, die im Kolleg als Nachfolgerin von Marina Hasnaș für die Geschäftsführung zuständig ist, sind die Anfänge des Instituts weiterhin Anlass für das Staunen, was sich aus dem Preis, den Pleșu seinerzeit erhielt, entwickelte. "Es haben etwa 1000 Stipendiaten bisher das NEC frequentiert, davon waren 75% rumänische WissenschaftlerInnen."

 

Seit den Anfängen gibt  das NEC keine Themenausrichtung vor, innerhalb derer sich die StipendiatInnen bewegen sollen, sondern ist offen für viele Bewerbungsthemen. "Bei ihrer Auswahl folgte es keinem allgemeinen jährlichen Programm, sondern das NEC wollte immer eine möglichst freie Auswahl der Themen vor allem aufgrund der Qualität der Stipendienanträge gewährleisten", erläutert Frau Sandu-Dediu. Eine Haltung, die bis heute das Institut prägt: "Die wissenschaftliche Unabhängigkeit ist für uns das wichtigste." So ist das Kolleg auch keine vom rumänischen Staat finanzierte Institution, sondern greift auf wechselnde und vielfältige Unterstützung zurück - vor allem internationale.

 

Dabei hat sich in den zweieinhalb Jahrzehnten in der Finanzierung einiges verändert. Seit dem Beginn hat etwa das deutsche Innenministerium über ein Programm die fixen Kosten für die Verwaltung getragen. Diese Förderung lief nach 15 Jahren aus, so dass das Colegiu auf diesem Gebiet sich immer wieder neu orientieren muss. Frau Ciobotariu erwähnt, dass diese Anstrengungen von großem Erfolg gekröntsind. So hat das NEC nicht zuletzt durch die Arbeit der wissenschaftlichen Direktorin Anca Oroveanu drei EU-Projekte an Land gezogen, eines davon forscht unter der Leitung von Constanța Vintilă-Ghițulescu zu Luxus, Mode und Sozialstatus im frühneuzeitlichen Südosteuropa. Ebenso wird das Projekt Pontica Magna von der deutschen VolkswagenStiftung gefördert, das auf das frühere Balkans-Black Sea-Project folgt und WissenschaftlerInnen von der Schwarzmeer-Region bis nach Zentralasien zusammenbringt. Hauptfinanzier ist zur Zeit aber die Schweiz: Die Schweizer Landis & Gyr Stiftung übernahm die Absicherung der Grundkosten für Gebäude, Personal u.a. Schon seit dem Beginn des Vorhabens engagierte sich die Schweiz. Als die Frage eines eigenen Gebäudes sich stellte, fand sich das fast verfallene Haus der Schweizer Kaufmannschaft, das der Botschafter sofort unterstützte. Die Architektin Marina Hasnaș konnte mit ihrem Lehrer Prof. Nicolae Vlădescu auch einen Fachmann animieren, sich des Projekts anzunehmen, so dass das NEC seit 2000 im eigenen schmucken Gebäude mit großem Garten residiert.

 

Über die Jahre hat Katharina Biegger für das Wiko die Arbeiten mit dem NEC koordiniert und vorangebracht. Sie konstatiert ebenfalls:  "Die Verhältnisse haben sich natürlich stark geändert, und in diesem Sinne hat auch die Arbeitsweise des NEC sich modifiziert, erweitert, dynamisiert, flexibilisiert. So erfordern es die modernen Bedingungen in der academia - und offenbar auch die Finanzierungsbedingungen der Förderinstitutionen, ob privat oder staatlich. Das bringt ein unabhängiges Institute for Advanced Study mit der Einladung von Geistes-/Sozialwissenschaftlern, die ihre Arbeitsthemen frei bestimmen können, in eine gewisse Zwangslage: Denn heute wird vermehrt nach output, outreach, policy relevance, Anwendbarkeit usw. verlangt. Trotzdem hat es das NEC bisher geschafft, die anspruchsvolle Balance zwischen Anpassung und Kontinuität in seiner Kernaufgabe zu halten."

 

Dass das NEC einen sichtbaren Einfluss auf die Kommunikation innerhalb der Wissenschaftslandschaft Südosteuropas hat, lässt sich allein schon an der Zahl und Karriere seiner Fellows ablesen. Nicht nur fast 1000 RumänInnen, denen der Aufenthalt den Austausch mit ausländischen WissenschaftlerInnen ermöglichte und oft einen  entscheidenden Sprung in ihrer Forscherkarriere bedeutete, sondern auch viele Gäste aus dem Ausland lernten die rumänische Hauptstadt als Forschungsschauplatz durch das NEC kennen. Unter den Fellows befanden sich u.a. der Philosoph Horia Patapievici, der Kulturwissenschaftler Andrei Oișteanu, der Leiter des Bukarester Germanistiklehrstuhls Gabriel Horațiu Decuble, die Schriftstellerin und Philologin Ioana Părvulescu, die Schriftstellerin Smaranda Vultur, der Kunsthistoriker Victor Stoichiță, der Temeswarer Soziologe Robert S. Reisz, der Historiker und Aussenminister Mihai-Răzvan Ungureanu.  Aus dem Ausland waren Gäste Wolfgang Kemp, Keith Hitchins, Jacques Derrida, Herta Müller, Adam Michnik, Timothy Garton Ash, Yehuda Elkana u.v.a.

 

Den 25. Geburtstag begeht das NEC mit diversen Veranstaltungen. Zum Auftakt erhielt es bereits im letzten Jahr Besuch von Staatspräsident Klaus Johannis, es folgten Debatten mit dem früheren Direktor des Wiko, dem Verfassungsrechtler Dieter Grimm und dem St. Galler Politologen Dirk Lehmkuhl; den Abschluss bildet im November ein Vortrag des Schriftstellers, Dissidenten und jetzigen Botschafters Rumäniens in Berlin, Emil Hurezeanu.

 

 

www.nec.ro

 

 

Die Zeitschrift Dilema veche (Gründer: Andrei Pleșu) brachte in ihrer Ausgabe vom 23-29. Mai 2019 (nr. 796) ein Dossier zum 25. Geburtstag des NEC heraus mit Interviews und Beiträgen von Pleșu, Sandu-Dediu, Lepenies, Joachim Nettelbeck (Wiko), Heinz Hertach (Landys & Gyr) u.a.

 


Herbst der Entscheidungen

 

 

 

Das politische Rumänien nach den Europawahlen

 

 

 

 

 

 

 Nachdem der PSD-Vorsitzende Liviu Dragnea im Mai seine Gefängnisstrafe wegen Wahlfälschung und Korruption

angetreten hat und seine Partei eine heftige Niederlage bei den EU-Wahlen erlitt, haben sich eine Reihe von merk-

 

 

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lichen Veränderungen in der politischen Landschaft Rumäniens ergeben. Ihr Höhepunkt ist das Auseinanderbrechen der Regierungskoalition aus PSD und ALDE.

Die Regierungschefin Viorica Dăncilă versuchte zunächst, ihre Partei PSD von den Altlasten Dragneas zu befreien. Die zahlreiche Vorwürfe der Gängelung der Justiz hervorrufenden Gesetzesvorhaben wurden weitgehend eingestellt, die umstrittene Parlamentskommission zu diesen Gesetzesvorhaben unter der Leitung von Florin Iordache (PSD) jetzt aufgelöst. Entgegen diesen Anzeichen einer Anerkennung der Proteste gegen Dragneas Politik stimmte Rumänien allerdings zusammen mit 5 anderen Ländern gegen die Wahl der früheren "Korruptionsjägerin" Laura Kövesi für das Amt des Generalstaatsanwalts der EU. Die möglicherweise größte Unruhe verursachen neben dem deutlichen Zeichen der Europawahlen die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen. In der Koalition und den mit ihr verbundenen Parteien bedurfte es der Klärung, wer für das höchste Staatsamt  kandidiere. Dem Koalitionär Călin Popescu Tăriceanu (ALDE) schien eine eigene Kandidatur nicht aussichtslos, während Dăncilă sehr bald alle innerparteilichen Aspiranten düpierte und sich selbst als Kandidatin der PSD küren ließ und damit  Tăriceanu keine Hoffnung auf eine Kandidatur des PSD-ALDE-Lagers ließ.

 

Bis es am 26. August 2019 zum Rückzug der ALDE aus der Regierung und dem Rücktritt ihres Vorsitzenden Tăriceanu vom Amt des Senatspräsidenten kam, machten in den Medien zahl-reiche politische Planspiele und Taktiken die Runde. Eine offensichtliche Rolle spielte der frühere Dragnea-Gefährte Victor Ponta mit seiner PSD-Abspaltung PRO România, die mit 30  Abgeordneten im Parlament vertreten ist. Es gelang  Ponta, Tăriceanu zu beeinflussen, einen gemeinsamen Präsidentenkandidaten zu benennen (den früheren Schauspieler und Euro-Abgeordneten Mircea Diaconu). Verhandlungen mit seiner früheren Partei PSD waren für Ponta erfolglos geblieben.

 

Nach dem Bruch der Koalition warf Tăriceanu dem bisherigen Koalitionspartner vor, keine gründliche personelle Neustrukturierung der Regierung in Angriff zu nehmen. Dăncilă hatte mehrere Minister entlassen, unter ihnen die Bildungsministerin Ecaterina Andronescu,  nachdem diese im Zusammenhang mit den Mordfällen in Caracal geäußert hatte, dass sie nicht als Anhalterin in ein Auto zu Fremden steigen würde. Auch der zuständige Innenminister musste gehen. (Präsident Johannis warf der PSD vor, in zweieinhalb Jahren 3 Ministerpräsidenten und mehr als 70! MinisterInnen verbraucht zu haben - mehr als alle Regierungen seit 1919 zusammen!) Tăriceanu unterstellte Dăncilă auch, sie habe mit ihrem härtesten Gegner, Präsident Johannis, Abmachungen getroffen hinsichtlich von Ministervorschlägen, aber nicht mit ihm -Tăriceanu- als Koalitionspartner.

 

Dăncilă versuchte nach dem Bruch der Koalition und dem Verlust der Mehrheit im Parlament die Minister der ALDE in der Regierung zu halten, was zu Verwerfungen in der  neuen Opposi-tionspartei führte, da Außenministerin Ramona Mănescu und das umstrittene Urgestein Teodor Meleșcanu ihre Posten beibehielten und daraufhin von Tăriceanu aus der Partei ausgeschlossen wurden bzw. austraten. Auch die UDMR (Partei der ungarischen Minderheit) kündigte ihre Unterstützung für die Regierung. Als Regierung ohne Mehrheit stützt sich Dăncilă jetzt auf ihre Partei und die ethnischen Minderheiten, die mit jeweils 1 Stimme im Parlament vertreten sind und als Fraktion üblicherweise mit der Regierung stimmen. Ovidiu Ganţ, Vertreter des DFDR (Demokratisches Forum der Deutschen in Rumänien), machte allerdings klar, dass er nicht mit der Regierung stimmen werde, solange die PSD nicht von ihren nationalistischen und xenofoben Angriffen auf Präsident Johannis ablasse.

 

Die größte Oppositionspartei PNL unter Führung von Ludovic Orban, kündigte ein baldiges Misstrauensvotum im Parlament gegen die Minderheitsregierung von Dăncilă an. Es soll  am  1. Oktober stattfinden. [Mittlerweile wurde der Termin auf den 10. Oktober gelegt.] Orban erwartet, dass er danach Premierminister werde, obwohl die Spekulationen über mögliche traseiști (Fraktionswechsler) jetzt ins Kraut schießen. Pontas Partei könnte bei dem Misstrauensantrag eine wichtige Rolle spielen.

 

Präsident Johannis verweigerte im Konflikt mit der PSD-ALDE-Koalition mehrfach Dăncilăs Ministervorschlägen die Zustimmung und ließ mehrere KandidatInnen für Ministerposten warten oder lehnte sie definitiv ab. Allerdings zieht er sich dadurch den Vorwurf zu, die Politik zu blockieren, was insbesondere im Falle der Verbrechen im Juni und September an Kindern und Minderjährigen die interimistische Verwaltung des Innenministeriums ins Rampenlicht brachte. Auf der anderen Seite machen viele nun der Regierung Vorwürfe, sie hätte mit ihrer Freilassung von mehreren Hundert Gefängnisinsassen aufgrund eines neuen Gesetzes 2018 die Unsicherheit im Lande erhöht.

 

Für die bevorstehende Präsidentenwahl sind von der Wahlbehörde BEC  (Biroul electoral central) 14 KandidatInnen akzeptiert worden. Unter ihnen Johannis, Dăncilă, Dan Barna (USR), Diaconu (ALDE u. Pro România), Kelemen Humor (UDMR). Welche Funktion im politischen Feld die gesellschaftlichen Proteste um das Behördenversagen in den Mordfällen von Caracal oder einem weiteren in Dâmboviţa spielen, ist unklar, aber unübersehbar: Hatte das noch offene Drama von Caracal bereits zu Ministerentlassungen geführt, so nahm ein Verwandter die Ermordung seiner Nichte Alexandra Măceșanu zum Anlass, sich als Kandidat aufstellen zu lassen. Alexandru Cumpănașu erhielt von den Eltern des Mädchens die Vertretungsrechte für alle Pressekontakte und Verlautbarungen. Der Vorsitzende der AIPD (Asociaţia Pentru Implementarea Democraţiei - Verein für die Einführung der Demokratie) kam allerdings bereits ins Gerede wegen seines ungewöhnlich hohen Salärs aus verschiedenen Anstellungen.

 

Wären jetzt Parlamentswahlen, so lägen nach der Zeitung Adevărul laut Umfragen in der Bevölkerung PNL (28 %) deutlich vor PSD (25%) und USR+ (22%). ProRomânia erreichte demnach um die 8 %, ALDE nur 4%. Es ist allerdings nicht davon auszugehen, dass diese Zahlen sich auch in den Präsidentenwahlen spiegeln werden. Besonderes Augenmerk liegt auf dem Abschneiden von Dan Barna für die junge Partei USR (Uniunea Salvaţi România - Union Rettet Rumänien), die sich mit der Gruppe PLUS des früheren Premierministers und EU-Kommissars Daniel Cioloș verbunden hat. USR entstand aus Bukarester Protestgruppen und alternativen Milieus und schaffte es in kurzer Zeit, im ganzen Land eine Parteistruktur aufzubauen und 2016 mit insgesamt 40 Sitzen in beide Häuser des Parlaments einzuziehen. Bei den Europawahlen erreichten sie mit 21 % den dritten Platz hinter PNL und PSD. Nach dem Absturz der PSD sehen viele Kommentatoren in Barna den eigentlichen Konkurrenten in der Präsidentenwahl. Indessen nutzt Präsident Klaus Johannis die Wirkung seiner internationalen Präsenz, um alle Konkurrenten um das Amt und auch die Kritik an seiner Politik, er erscheine  wenig initiativ angesichts der strukturellen Probleme des Landes zu überstrahlen. In der Hauptstadt Bukarest ist sein Slogan auf Transparenten an Häuserwänden zu sehen: Pentru o Românie normală - 'Für ein normales Rumänien'.

 

UPDATE 10.10.2019:

 

Die Regierung von Viorică Dăncilă (PSD) wurde durch ein Misstrauensvotum der Opposition gestürzt. Es stimmten Abgeordnete 238 für die Abwahl, 5 mehr als notwendig. Unter diesen Stimmen sollen sich 3 Abgeordnete der PSD befunden haben. Neuer Premierminister soll Ludovic Orban (PNL) werden.


Rumänien im Sommer (III)

 

Medien und Behörden

 

 

 

 

 

Craiova

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In diesem Sommer kannte die rumänische Presse kein "Sommerloch" - dafür sorgte nicht nur die Politik, sondern auch aufsehenerregende Vorfälle beschäftigten die Öffentlichkeit. Zunächst war es ein Fall von Adoption, der die Gemüter landesweit in Aufwallung brachte. Im Fall von Sorina , einem 8-jährigen Mädchen, begann alles am 21. Juni, als Bilder einer das schreiende und weinende Kind am Arm zerrenden Frau auftauchten, während im Hintergrund die "mascați", die üblicherweise maskiert auftretenden Polizisten der Brigada de intervenție dabei zusahen. Das Kind wurde von seinen Pflegeeltern in Baia de Aramă (Kreis Mehedinți) in Oltenien abgeholt, um zu seinen Adoptiveltern in Craiova gebracht zu werden. Die Frau auf den Bildern mit dem schreienden und sich wehrenden Kind war eine Staatsanwältin. Freunde der Pflegeeltern hatten die Szene mit dem Smartphone gefilmt und über soziale Netze verbreitet, so dass sie in kürzester Zeit auch die Redaktionen der Presse und vor allem der privaten Sender wie antena 3, B1tv, realitatea erreichten. Von dort wurden wie üblich umgehend "meinungsstarke", d.h. in diesem Fall Vorurteile bekräftigende und Emotionen aufrührende Berichte gesendet, die den Adoptiveltern alles vorwarfen, was die Bilder scheinbar belegten: Herzlosigkeit, Unmenschlichkeit, Verachtung der Pflegeeltern, bei denen das Kind 7 Jahre gelebt hatte. Hinzu kam, dass die Adoptiveltern in den USA wohnen und somit sich mehr oder minder unterschwellig noch ein Affekt gegen die ausgewanderten Rumänen einschlich, während die Pflegeeltern als de la noi (von uns) positioniert wurden. Einen Tag später demonstrierten bereits etwa 100 Menschen vor dem Haus der Pflegeeltern "für Sorina" und später vor dem Berufungsgericht in Craiova gegen ihre Adoption. Sie trugen Schilder mit den Losungen "Zerstört nicht das Glück eines Kindes", "Vereint euch für Sorina", "Lasst Sorina entscheiden" ( das rumänische Gesetz sieht eine Mitwirkung des Kindes erst ab 10 Jahren vor). PolitikerInnen wurden zum Eingreifen aufgerufen, Premierministerin Dăncilă - selbst Adoptivmutter eines Jungen, wie sie in einem Interview mit antena 3 im Januar des Jahres offengelegt hatte - sprach sich für eine Berücksichtigung des Kindeswohls und die Bestrafung der falsch handlenden Institutionen aus. Auch die Justiz wurde aktiv, Generalstaatsanwalt Bogdan Licu verlangte, die Ausreise der minderjährigen Adoptierten zu unterbinden, da sie keinen Pass habe und verhinderte so für zwei Wochen die Ausreise, bis das Gericht in Craiova entschied, dass die Adoption rechtens sei. So konnte die Familie Mitte Juli in die USA ausreisen.

Die Vorgeschichte dieser Adoption ist kompliziert und zog sich über 2 Jahre hin. Die Zeitung Adevărul  listete auf, welche juristischen und Verwaltungsschritte seit ihrer Ankunft in der Pflegefamilie 2012 mit anderthalb Jahren unternommen worden waren. Nachdem Sorina für adoptibilă (adoptionsfähig) erklärt worden war, hatten über 100 Familien sie abgelehnt (wohl vor allem, weil sie ursprünglich aus einer Roma-Familie kommt). Dadurch wurde sie als "schwer vermittelbar" auch für im Ausland lebende rumänische Familien adoptierbar. (Das Gesetz sieht für internationale Adoptionen nur Rumänen mit doppelter Staatsbürgerschaft vor!) Anfang 2018 beantragte die Familie aus den USA die Adoption, während die Pflegefamilie in Baia de Aramă, die noch andere Pflegekinder aufzieht, dies nicht tat und  zu einem bestimmten Zeitpunkt ausdrücklich auf die Adoption verzichtete. Sie hatte bei der DIICOT (Direcția de Investigare a Infracțiunilor de Criminalitate Organizată și Terorism - Sonderstaatsanwaltschaft für die Untersuchung von Verbrechen der organisierten Kriminalität und Terrorismus) geklagt, dass die Adoptivfamilie das Kind lediglich zur Organentnahme haben wolle. Im April 2019 entschied das Berufungsgericht in Craiova endgültig, dass die Adoption durch das rumänische Ehepaar in den USA rechtens sei. Die Behörden zeigten eher weniger  Entschlusskraft, bis im Juni die Staatsanwältin das Kind zu einer Untersuchung abholte.

Im Nachhinein gesehen warf der Fall ein Schlaglicht auf die nicht wenigen Kinder, die nach der Geburt in das System staatlicher Obhut geraten. Die katholische Theologin Gabriela Blebea Nicolae verwies in der Zeitschrift Dilema veche auf die noch viel schlechtere Lage der Kinder, die nicht wie Sorina adoptiert werden und mit der Volljährigkeit kaum Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben außerhalb des staatlichen Betreuungssystems haben.

Advărul berichtete im September noch einmal über Sorina, als der Vater aus den USA verlauten ließ, dass es dem Mädchen gut gehe, es sich mit seinen Geschwistern gut vertrage, Klavier lerne und zum Ballett gehe.

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Begann sich Mitte Juli die Öffentlichkeit nach der Abreise des adoptierten Kindes in die USA von dem Fall allmählich abzuwenden, so sollte das Verschwinden zweier Jugendlicher ebenfalls in Oltenien für eine bis heute anhaltende Aufregung in der Öffentlichkeit sorgen und viele an den Brand in dem Club Colectiv erinnern, in dessen Folge eine ganze politische Protestbewegung gegen die Korruption entstanden war.

Am 25. Juli gab die Familie von Alexandra Măceșanu über soziale Netzwerke ihre Suche nach der Jugendlichen bekannt, die am Tag zuvor morgens von ihrer Heimatgemeinde Dobrosloveni die wenigen Kilometer in die Kreisstadt Caracal per Anhalter gefahren war. Seither hatte sie niemand mehr gesehen oder kontaktieren können. Auch die Lokalpolizei suchte bereits nach der Jugendlichen und teilte dies in den sozialen Netzwerken mit. Was aber wenige Stunden später bekannt wurde, sollte den Fall zu einem weiteren Beweis für die fatalen Folgen rumänischen Behördenversagens machen. Denn während die lokale Polizei erst allmählich tätig wurde, erhielt die Mutter der Jugendlichen einen Anruf, in dem eine männliche Stimme mitteilte, dass Alexandra mit einem Freund nach England gefahren sei, um Geld zu verdienen und es ihr gut gehe. Dass dies nicht zutraf, wurde im Nachhinein klar, weil es am gleichen 25. Juli von 11:05 Uhr an drei Anrufe von Alexandra bei der Polizei unter der Notfallnummer 112 gab, in denen sie sagte, dass sie von einem Mann entführt und vergewaltigt wurde und in einem Haus gefangen sei. Der veröffentlichte Mitschnitt der Telefonate macht deutlich, dass die Jugendliche verzweifelt und voller Angst auf die Gefahr aufmerksam machen wollte, in der sie schwebt, während die jeweiligen Polizisten ihr nicht zu glauben schienen bzw. nicht in der Lage waren, von Alexandra die nötigen Informationen zu erhalten, um sie zu finden oder die Anrufe an die Stelle weiterzuleiten, die mit dem Verschwinden eines Mädchens aus Dobrosloveni sich befassen. Auch dem STS (Serviciul de Telecomunicaţii Speciale) gelang es nicht, anhand der Anrufdaten genau den Aufenthaltsort zu bestimmen. Die letzten Worte des Mädchens sind "vine, vine, criminalul" (er kommt, er kommt, der Verbrecher). Diese sprach sie, als sie von der Polizei auf dem Telefon zurückgerufen wurde. Mittlerweile wird davon ausgegangen, dass der Täter wenig später die Jugendliche tötete und in einer Metalltonne verbrannte.

Der Polizei gelang es erst gegen 2:30 Uhr am nächsten Morgen, den Aufenthaltsort von Alexandra herauszufinden, allerdings wartete sie bis 6:00 Uhr, um das Gelände des Gheorghe Dincă zu betreten, da dann erst ein Staatsanwalt die Erlaubnis erteilte. Dincă wurde auf dem Gelände angetroffen und stundenlang vernommen (offensichtlich unter Gebrauch von körperlicher Gewalt), wobei er zunächst die Tat leugnete.

Mittlerweile hatte ein Beamter der DIICOT im Zusammenhang mit dem Geschehen auch den Fall der bereits im April aus dem nahe bei Caracal liegenden Dorf Radomir, Gemeinde Dioști im Nachbarkreis Dolj verschwundenen 18-jährigen Mihaela Luiza Melencu aufgebracht und Dincă hierzu befragt. Die Schülerin war ebenfalls auf dem Weg nach Caracal verschwunden, wo sie Geld an einem Bankautomat abheben wollte, das ihre in England arbeitende Mutter geschickt hatte. Melencu lebte bei ihren Großeltern und ging in Craiova auf die Schule. Nachdem sie nicht von ihrer Fahrt per Anhalter zurückkehrte, wandten sich die Großeltern an die Polizei, die diesen Fall sehr zögerlich behandelte. Auch in diesem Fall gab es einen Anruf, bei dem ein Mann erklärte, dass die junge Frau mit einem Freund in die Schweiz gegangen sei und es ihr gut gehe.

Als am 26. Juni diese Nachrichten bekannt werden, geht eine Welle der Empörung nicht durch die lokale Bevölkerung des Kreises Olt. Über das Internet und das Fernsehen verbreiten sich die aktuellen Informationen, es kommt nicht nur in Caracal zu spontanen Demonstrationen mit Hunderten von Beteiligten. Alexandra victimă voastră eroina noastră (A. euer Opfer, unsere Heldin), Alexandra a sunat, nimeni nu a acționat (A. hat angerufen, niemand hat gehandelt), Vrem dreptate (Wir wollen Gerechtigkeit), Iartă-ne Alexandra (Verzeihe uns, A.), Corupția ucide (Korruption tötet), Rușine (Schande) lässt sich auf den selbst gebastelten Plakaten und Bannern lesen. Vor dem Anwesen des vermutlichen Täters versammelt sich eine Menge, die Polizei und Justiz ausbuht und Lärm macht, als der Verdächtige abtransportiert wird.

In Fahrt gekommen, setzt der Skandal nicht nur ungehemmte Verdächtigungen, Spekulationen, Vorwürfe frei, sondern veranlasst die Entlassung sowohl des höchsten Polizisten des Landes wie auch einiger weiterer unmittelbar Beteiligter Polizisten wie aus der STS. Ohne Unterlass beschäftigen die Hintergründe und Versäumnisse der Institutionen sowohl Presse als auch das Internet. Befördert wird dies durch die weitreichende Untersuchung des Geländes, auf dem der Verhaftete die beiden Frauen nach eigener Aussage ermordet hat und möglicherweise noch weitere grausige Funde gemacht werden. In jahrelanger Tätigkeit hatte der 66-jährige Dincă ein unübersichtliches Labyrinth von Aufbauten, Kellern, Zimmern mit einem überwucherten Hof an einer Ausfallstraße von Caracal geschaffen. Dincă lebte von Klempnerarbeiten, illegalen Taxifahrten, Kleinhandel. Aufnahmen von Überwachungskameras zeigen ihn an jenem Morgen, als er die Jugendliche Alexandra gekidnappt hatte. Auf dem Gelände gefundene Knochen erwiesen sich als die Alexandras, andere außerhalb in einem Wald gefundene sind die einer 15-20-Jährigen, vermutlich die Luizas.

Die Ermittlungen finden statt in einer Atmosphäre des Misstrauens, da viele jetzt von einer bisher tabuisierten Existenz von kriminellen Clans mit sehr guten Verbindungen zu Polizei und Politik in den vernachlässigten Städten Südrumäniens sprechen. Caracal sei eines der Zentren des Menschenhandels in Südrumänien, in dem junge Frauen zur Prostitution in Europa gezwungen werden.


Rumänien im Sommer (II)

 

China ist da

 

 

 

 

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In der Stadt Piatra-Neamț am östlichen Karpatenrand hat die Neuzeit der Transition durchaus Einzug gehalten. Davon künden äußerlich eine riesige Carrefour-Mall, zwei große renovierte Hotelhochhäuser, eine Reihe von Einkaufsmöglichkeiten, ein zu aufdringlicher Autoverkehr mit fast nur neuen ausländischen Wagen, erneuerte Trottoirs, renovierte oder neu erbaute Villen in blühenden Vorgärten, ein blinkendes neues Fußballstadion, zahlreiche neu gebaute große Kirchen und manch anderes mehr.

Jenseits dieser ins Auge fallenden Neuerungen sind allerdings die Überbleibsel der Vergangenheit ebenso nicht zu übersehen. Im Stadtteil Dărmănești steht noch, was früher Orion hieß, eine nicht übermäßig große Betonburg als Einkaufscenter mit unterschiedlichen Geschäften und Dienstleistungen. Es führt uns die Suche nach einer Lego-Transformers-Figur in das Gebäude, das auch einen chinesischen Laden beherbergen soll. Es zeigt sich, dass das komplette Obergeschoss Verkaufslokal chinesischer Waren ist - günstige (oder billige) Jacken, Kleider, Spielzeug, Haushaltswaren, die zumeist aus Plastikkunststoff hergestellt sind. Geleitet wird der Laden offensichtlich von einem Asiaten und auch eine Verkäuferin scheint asiatischer Herkunft. Bei der Präsenz chinesischer Billigwaren weltweit ist daran sicher nichts Ungewöhnliches festzustellen. Überraschend wird es aber, wenn man dann an der gleichen Straße etwas stadteinwärts ein noch größeres Geschäft in einem neuen Betongebäude neben dem großen Kaufland-Einkaufszentrum findet. In dem ungelüfteten riesigen Raum riecht es penetrant nach Plastik, das Angebot ist von gehobenerer Qualität mit viel Kinderspielzeug. Und wirklich überrascht ist man dann beim Besuch eines weiteren Betonkomplexes gegenüber des alten Historischen Museums im Zentrum der Stadt, der ebenfalls bessere Tage gesehen zu haben scheint. Im obersten Stock neben einem Club findet sich ein chinesisches Geschäft, vor allem mit Sommerkleidung und Sportgeräten. Aber hatten wir nicht noch an einer zentralen Straße neben dem zentralsten Einkaufszentrum am Hotel Plaza  ein chinesisches Geschäft gesehen? Auch in diesem am sichtbarsten plazierten Magazin chinezesc finden sich all die Dinge, von denen man bisher nur vermutete, dass sie in China hergestellt wurden. Jetzt macht ein Blick im Geschäft klar, dass dies auch der Fall ist. Und die Krönung stellt die Verwunderung über einen kleinen Laden im Orion dar, dessen gehobene Ausstattung mit Kleidung und Spielzeug ihn erst auf den zweiten Blick als chinesische Verkaufsstelle entpuppt. Ganz anders ist hier die Präsentation der Einzelstücke, qualitativ heben sich die Kleidungsstücke von den bisher gesehenen chinesischen Waren ab und fallen gegenüber denen in nichtchinesischen Läden kaum auf. Die gesuchte Transformers-Figur fand sich leider nirgends.

Alle diese chinesischen Läden haben wegen ihrer unterschiedlichen Präsentation und Niveau ihre Kundschaft, günstige Produkte finden für eine bestimmte Käuferschicht immer Kaufwillige. Dass dies in der rumänischen Provinz mit fast flächendeckender Präsenz allein aus chinesischer Herkunft gedeckt wird, macht deutlich, wie sehr das Modell des fernöstlichen kommunistischen Staates mit der ultrakapitalistischen Wirtschaft bereits die ausufernden Basare der Nachwendezeit Osteuropas (von denen es auch einen am Rande der Stadt gibt) verlassen und sich nun auf die nicht nur unteren Preissegmente fast aller Waren des täglichen Bedarfs ausgebreitet hat. Piatra-Neamț hat jedenfalls mindestens 5 große solcher chinesischer Verkaufsstellen vorzuweisen - und man braucht nicht viel Phantasie für die Annahme, dass es in zahlreichen rumänischen Städten auf dem Land nicht sehr viel anders aussieht. Und auf dem Markt der Stadt mit seinen zahlreichen Ständen und Geschäften erwecken jetzt auch billige Plastikwaren unsere besondere Aufmerksamkeit.

 

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Neversea, Untold, Afterhills, Electric Castle - Markennamen im trendigen Englisch? In gewisser Weise schon. Aber nicht Gegenstände als Waren sind hier gemeint, sondern Dienstleistungen oder genauer künstlerische Darbietungen - es handelt sich um die Namen von Megamusikfestivals in Rumänien. Spätestens fünfzig Jahre nach Woodstock, der Mutter aller Rockfestivals, hat der internationale Markt für solche Veranstaltungen auch Rumänien entdeckt. Landesweit werben die Medien für UNTOLD und Electric Castle in Cluj (Klausenburg), die große Besucherzahlen in die Universitätsstadt im Norden Siebenbürgens anlocken. Electric Castle findet beim Banffy Schloss in Bonțida statt und hat seinen Namen wegen der eher an elektronischer Musik orientierten Ausrichtung. Hauptact waren Mitte Juli neben dem DJ Nils Frahm und rumänischen Musikern wie Subcarpați, der Heldin älterer Generationen Loredana, den Berlinern Zmei3 auf der zentralen Bühne Florence and the Machine und Thirty seconds to Mars, aber auch die Rockband Limp Bizkit aus den USA. Ihr Konzert war mit 50000 Fans ausverkauft, an den 5 Tagen waren etwa 200000 auf das Gelände mit 10 Bühnen einige Kilometer von Cluj entfernt gekommen, was natürlich ein riesiges Transportchaos verursachte. Ansonsten versucht dieses wie die anderen Festivals als "grün" rüberzukommen, von Lidl (!!) gesponsert wurde eine Eco-Bühne und ein Mülltrennungsverfahren.  Der Discounter festigt damit in Rumänien sein Image als Mittelklassesupermarkt. Ansonsten bot das Festival zahlreiche Möglichkeiten zu kreativen Aktivitäten.

Noch mehr Besucher zieht UNTOLD in Cluj an: Die Festivalorganisatoren nannten dieses Jahr 372000 Besucher an 4 Tagen zu dem im Zentrum der Stadt und vor allem im Fußballstadion auf 10 Abspielstätten (darunter ein Tramwaggon!) angesiedelten Musikereignis. Headliner waren in diesem fünften Jahr der Veranstaltung der Sänger Robbie Williams und die Star-DJs Paul Kalkbrenner, David GuettaArmin van Buuren, aber auch Alt-Rapper Busta Rhymes oder der rumänische Star Smiley. Eine spektakuläre Lightshow zum Finale ließ das Stadion aufblitzen und erglühen.

UNTOLD setzt bei seinem Vermarktungskonzept vor allem auch auf die Wirkung in die Stadt hinein, indem es aus dem Erlös sowohl den benutzten Park neu bepflanzt als auch Kinderspitäler und andere soziale Einrichtungen mit neuer Ausstattung versieht. 20% der BesucherInnen kommen aus Cluj, 20% aus dem Ausland, der Rest aus Rumänien, teilen die Veranstalter mit. Und lassen in der Stadt eine durchaus meßbare ökonomische Spur hinter sich. Im Ansturm der Massen von Zuschauern können luxuriöse Studentenwohnungen schon einmal für über 1000 Euro vermietet werden. Allerdings sieht sich das Festival wegen seiner Größe und der mitten in der Stadt in einem Park aufgebauten Bühnen auch kritischen Kommentaren gegenüber.

Am Meer in Constanța findet Neversea statt, nach eigener Einschätzung das "größte Strandfestival Europas". Hier dominieren am Stadtstrand unterhalb der Uferklippe Constanțas elektrische DJ-Musik bis in den späten Vormittag, sportliche Aktivitäten, Wasser, Sonne. Einige Bühnen sind auf dem Wasser installiert. Die Reihe der DJs ist endlos für die 4 Tage Unterhaltung, deren musikalische Darbietungen vor allem nachts durch permanente Light-und Lasershows sich ins Gedächtnis einschreiben. Unter den Acts sind Sean Paul, die junge rumänische Band The Motans, das Hip-Hop Urgestein Paraziții.

Noch nicht beendet ist das Afterhills Festival in Iași, das vor allem am Wochenende stattfindet. Es startete am 23. August auf 5 Bühnen und wird am 1. September enden. Am ersten Wochenende zog es 67000 Besucher an, als der Topact auf der Bühne stand - die englische Pop-Sängerin Rita Ora. In Dobrovăț bei Iași auf einem Wiesengelände zwischen den Hügeln finden unter der Woche vor allem  familienfreundlichere Formen der Unterhaltung statt, Kino, Comedy, Graffiti-Painting, Klettern, Tanzen und einige DJ-Acts. Das Festival im dritten Jahr ist das größte der Moldau. Am letzten Wochenende sind u.a. Morcheeba und Les Elephants Bizarres oder auch Subcarpați die Highlights.

Aber nicht nur diese Festivals fanden ihr zahlreiches Publikum: In Bukarest traten im neuen Nationalstadium die Alt-Rocker von Metallica und vor dem Parlamentspalast Bon Jovi vor jeweils mehreren Zehntausenden Fans auf - Open-Air allerorten.


Rumänien im Sommer (I)

 

 

Impressionen und Splitter

 

 

 

 

Fotos: www.kultro.de

 

Der globale Klimawandel hat (natürlich) auch Rumänien erfasst: Dauerregen, Überschwemmungen, Unwetter, Orkane, Temperaturrekorde und abrupte -stürze prägen das Wetter seit Wochen. Das frühere Kontinentalklima mit ziemlich  stabilem heißem Sommerwetter von Mai bis Oktober - höchstens unterbrochen von kurzen Unwettern - gehört der Vergangenheit an. Unberechenbar sind die Vorhersagen, dauernder Wechsel wo früher Stabilität den Sommer zu einer  unendlich wirkenden Jahreszeit machte. Immerhin lässt der Regen das Land grün erscheinen. Eine ganz neue Erfahrung: Die stundenlange Eisenbahnfahrt von Bukarest ins nur 350 Kilometer entfernte Piatra-Neamț am östlichen Karpatenrand führt nicht wie üblich durch eine verbrannte braun-schwarze Landschaft, sondern durch grüne Hügel und Ebenen.

Diese Veränderung ist natürlich auch im Land nicht unbemerkt geblieben. Ein Taxifahrer in Bukarest stellt fest: "Die Jahreszeiten sind zerstört!" Ein Fahrer in Piatra-Neamț glaubt, dass dies durch "die Raketen" verursacht worden sei. Auf die Entgegnung, dass vor allem die Industrie und der Autoverkehr die Atmosphäre zerstören, meint er sarkastisch: "Industrie haben wir nicht, da sind wir aus dem Schneider."

Das immer wieder wechselnde Wetter und der immer wieder auftretende Starkregen begleiten den Aufenthalt über Wochen hinweg.

Dass das Autofahren mit diesem Klimawandel direkt zu tun hat, setzt sich allmählich als Bewusstsein durch. Ganz erstaunt ist man, wenn man vom Taxifahrer in Bukarest hört: "Es gibt zu viele Autos in der Stadt!" Das ist nicht unbedingt auf die Umweltzerstörung gemünzt, aber dennoch ein vorher nie gehörtes Statement. In der Tageszeitung Adevărul weist ein Kolumnist auf die Situation in Bukarest hin, dessen Luft nach einer von der Stadt veröffentlichten Studie seit Jahren hoch verschmutzt und krebserregend sei. Als Konsequenz müssten eigentlich alle Autos mit Diesel Euro 3 und 4 verboten werden, wenn man die Hauptursache der Verschmutzung beseitigen möchte, wie es die EU verlangt.

Keine leichte Aufgabe, denn Autofahren (vor allem mit großen Protzautos) gilt schließlich in Rumänien weitgehend als sakrosankt. Entsprechend haben FahrradfahrerInnen und FußgängerInnen einen schweren Stand, wenn etwa die Trottoirs quer bis zur Hauswand zugeparkt werden. In den Dörfern wird das Tempolimit nur selten eingehalten, ausgebaute Straßen, die für FußgängerInnen nur schwer zu überqueren sind, teilen die Ortschaften in zwei Hälften. Das Rasen  mit den PS-starken ausländischen Wagen ist ein Volkssport vor allem jüngerer Männer, der immer wieder hohe "Opfer" produziert. Deren genaue Zahlen blieben bisher weitgehend im Dunkeln, jetzt schreibt die Zeitung Evenimentul zilei, dass Rumänien nach einer EU-Studie die höchsten Todeszahlen im Straßenverkehr habe: 96 Tote auf 1 Million Einwohner, während es in Großbritannien "nur" 28 sind. (Deutschland liegt auf dem 21. Platz (bzw. 8. Platz mit den wenigsten "Opfern")). Die Zeitung nennt als Ursache die schlechten Straßen (und wirbt so für den Bau von Autobahnen) und die Überschreitung der angemessenenen Geschwindigkeit. Letztere ist immer wieder zu beobachten, gepaart mit  unvorstellbaren Fahrmanövern. So bremst in einer Ortschaft in einer scharfen Rechtskurve der Fahrer eines regulär verkehrenden Minibusses nicht  hinter einem Pferdewagen, sondern überholt als gerade ein großer Lkw entgegenkommt - Verantwortungsbewusstsein à la roumaine. Ein anderer Minibusfahrer fängt irgendwann an, auf dem Handy zu tippen - nicht um zu telefonieren, sondern um Textnachrichten zu schreiben. Zu diesen selbst erlebten Fällen addieren die Medien die drastischen Nachrichten von Unfällen mit vielen Toten.

Lieblingsthema der Lokalpolitiker in der Moldau und Siebenbürgen hingegen ist der Bau von  Autobahnen. Während nach einigen schlechten Erfahrungen mit ausländischen Firmen viele Rumänen glauben, es gäbe überhaupt keine Autobahnen im Land und jede Verzögerung oder Schwierigkeit beim Bau in den Zeitungen als Bestätigung hierfür gilt, sind dennoch bereits nicht wenige Kilometer in die Landschaft gefräst worden. Allerdings nicht in der Moldau, deren Wirtschaft von der Politik in Bukarest dringend eine Verbindung über die Karpaten nach Târgu Mureș in Siebenbürgen verlangt. Das bisherige Scheitern dieser Forderung ist für die Moldauer ein weiterer Baustein für das Bild der Vernachlässigung der Moldau durch die Regierung in Bukarest, für die Rückständigkeit der Region, Anlass für die Verachtung der Politiker, etc. Bei dieser ökonomisch an steigender Produktivität und wachsendem Gewinn orientierten Forderung wird die daraus folgende Zerstörung der bisher weitgehend intakten Landschaft der Karpaten meist mit keinem Wort erwähnt.

Welche Folgen der motorisierte Individualverkehr haben kann, zeigt die Straße zwischen Târgu Neamț und Iași. Die Metropole der Moldau zieht unweigerlich große Verkehrsströme an und wächst entlang der E 58 nach Westen. Hier haben sich im Laufe der letzten 15 Jahre nicht nur Metro oder Carrefour auf der flachen Wiese des breiten Tals Richtung Târgu Neamț angesiedelt, es sind zahlreiche Autohäuser, Verkaufslager, Supermärkte, hinzugekommen. Und entsprechend steigt der Verkehr auf der teilweise zweispurigen Straße an. Welche Folgen Unachtsamkeit, Verantwortungslosigkeit, Hektik und Stress der FahrerInnen dabei entfalten können, zeigen die bereits verwitternden Kreuze an beiden Fahrbahnrändern - es vergeht kaum ein Monat, an dem auf dieser Strecke nicht ein Mensch stirbt. Oft sind es Fußgänger, die in dem Iașier Ortsteil Valea Lupului die Straße überqueren wollen. Auf den 50 Kilometern von Târgu Frumos bis Iași ließen sich vor einigen Jahren allein 16 Kreuze aum rechten Straßenrand zählen, die Zahl der "Opfer" dieser "Todesstrecke" liegt natürlich weit höher.

Vom wachsenden Autoverkehr nicht verschont bleiben auch die touristisch interessanten Ziele. Das so idyllisch am Rande der Berge in der Bukowina gelegene Gura Humorului verzeichnet im Zentrum während der Arbeitswoche einen solchen Verkehr von Besuchern in Bussen, von Einheimischen, Wirtschaftsfahrzeugen, etc., dass von einem "Luftkurort" kaum noch die Rede sein dürfte. Vor allem ist es der Schwerlastverkehr von Lkws und Transportern, der den Aufenthalt im Zentrum eher als lautes Spektakel in Abgaswolken denn als Erholung erleben lässt. Einer der Gründe dieser Ballung liegt in der Tatsache, dass es keine Straßenalternative aus dem Tal von Câmpulung Moldovenesc nach Osten Richtung Iași gibt.

So bleibt der Autoverkehr eines der Probleme in einer Region, deren landschaftliche Schönheit nur bewahrt werden kann, wenn nicht versucht wird, diese der bequemen Erreichbarkeit und Zugänglichkeit zu opfern - während zugleich die wachsenden Chancen des EU-Staates auf ökonomischem Gebiet den Ausbau des Straßennetzes unausweichlich zu machen scheinen.

In diesem Zusammenhang wurde bisher das Eisenbahnnetz kaum genannt. So überrascht es, in der Tageszeitung Adevărul eine Meldung zu finden, die den Niedergang der CFR (Câile Ferate Române - Rumänische Eisenbahnen) konstatiert. Anlass ist eine neue Studie des Transportministeriums, nach der in den vergangenen 20 Jahren die Infrastruktur der staatlichen Bahngesellschaft kontinuierlich vernachlässigt worden sei und diese daher erheblich an Kunden verloren habe. Die geringe Geschwindigkeit aufgrund der schlechten Schienenverhältnisse und die ebenfalls aus der schlechten Infrastruktur resultierende Unpünktlichkeit seien die Hauptgründe für das geringe Nutzeraufkommen. Die Misere gehe aber letztlich vor allem auf die chronische Unterfinanzierung seit 1990 zurück.

In der Tat stellt die rumänische Bahn ein spezielles Vergnügen dar: War vor 20 Jahren die Fahrt von Bukarest bis Iași (400 km) eine 6-stündiges Dahinkriechen, so bestand doch die Hoffnung, dass in der Zukunft diese Fahrzeit auf vielleicht 5 oder gar 4 1/2 Stunden reduziert werden könnte. Mittlerweile dauert diese Fahrt aber fast 7 Stunden! Und die jetzt häufigen und gut gefüllten Flüge brauchen dafür nur 1 Stunde. Wie sehr das Zugfahren ins Hintertreffen geraten ist, zeigt die Tatsache, dass die CFR es für nötig hält, Plakate in den Zügen anzubringen, auf denen klargestellt wird, dass man für die Zugfahrt eine Fahrkarte braucht und dass bestimmte Regeln zu befolgen sind. Dennoch gelingt es immer wieder, mit dem Schaffner "Deals" zu beiderseitigem Vorteil (und Nachteil der CFR) zu vereinbaren. Im Zug von  Câmpulung Moldovenesc nach Gura Humorului fängt eine Reisende eine lautstarke Diskussion mit dem Schaffner an, weshalb so wenige Wagen für die zahlreichen Reisenden bereit gestellt werde, während auf anderen Strecken die Züge nicht so überfüllt seien. Sie fordert bessere Versorgung durch die Bahn, worauf der Schaffner nur wenig zu antworten weiss. Ein deutliches Zeichen für die beginnende Veränderung des Denkens könnte das Wiederaufkommen des Fahrrads im Nahbereich darstellen. Überall sind jüngere Menschen mit neuen Fahrrädern unterwegs. Selbst die zunächst eher wie ein Feigenblatt für eine verfehlte Verkehrspolitik wirkenden grünen Radstreifen in Bukarest machen mittlerweile Sinn, da sie von zahlreichen "bicicletiști" benutzt - und vielfach auch von den AutofahrerInnen respektiert werden.