Die schönheit der Frauen

The Atlas of Beauty - Frauen der Welt

 

 

Mihaela Noroc und ihr Projekt der Schönheit der Frauen - global, human, erfolgreich...

 

In der Berliner Fotogalerie "f3-freiraum für fotografie" sind erstmals Bilder der rumänischen Fotografin ausgestellt, die Furore machen - weltweit.

Foto: f3-freiraum für fotografie

 

 

 

Foto: f3-The_Atlas-of-Beauty-Mihaela-Noroc.

 

Als die Fotografin Mihaela Noroc bereits eine halbe Stunde über ihr Aufsehen erregendes globales Fotoprojekt von Frauenaufnahmen in der überfüllten Galerie f3 - Freiraum für Fotografie gesprochen hat, kommt die Ansage, dass noch weitere 60 Leute draußen warten, was bei dem kalten Schneeregen, der über Kreuzberg niedergeht, kein Vergnügen ist. Das Interesse am "Atlas of Beauty" ist immens, ein wirklich polyglottes internationales Publikum hat sich in der geräumigen Galerie eingefunden.  Mit einem anziehenden Lächeln und ironischer Distanz erzählt die in Bukarest lebende, in Chişinău (Republik Moldova) geborene Fotografin in Englisch über einzelne Aufnahmen, konkrete Umstände in Tibet, oder Iran, oder Mexiko. Manchmal musste sie zehn Stunden warten, bis eine Aufnahme zustande kam, das Foto der jungen Inderin bei einer Opferzeremonie im Ganges hingegen war eine Sache von wenigen Minuten.

Was zeigen ihre Fotos? Es sind in der Mehrzahl Einzelporträts, Dreiviertelansichten der Frau oder Nahaufnahmen des Kopfes, aber auch Zweierfotos oder eine Gruppe, wie jene mexikanischen Feuerwehrfrauen in ihrer Arbeitskleidung, einmal auch ein Paar zu Hause in Portugal. Oft stehen die Frauen auf einer Straße, kurz angehalten nach der Frage, ob sie fotografiert werden dürfen, ein leichtes Lächeln, der Hintergrund verschwimmt, die Augen sind immer in die Kamera gerichtet, d.h. sie schauen die BetrachterInnen von den Fotos aus direkt an. Und darin liegt auch für die Künstlerin selbst das Entscheidende - sie erkenne eine Person an den Augen, sehe dort ihre Schönheit.

Noroc sagt, dass sie farbenfrohe Bilder mag (ihr Vater ist Maler) und so wirken die Bilder auch untergründig positiv, froh auf eine zurückhaltende Weise. Es ist diese Kraft einer inneren Schönheit, die der Fotografin als eigentliches Ziel vorschwebt: "Ich habe oft erlebt, dass die Menschen vor dem Wort 'schön' zurückschrecken." Aus dieser (in Rumänien ja häufiger mitgeteilten) Beobachtung sei ihr Projekt entstanden, das durch seinen globalen Ansatz ihr Einsicht in die Gleichheit aller Menschen in der Differenz ermöglicht habe. Am meisten schockiert habe sie die Armut, die die Möglichkeiten des Lebens in vieler Hinsicht limitiert. Und dennoch hätten sie immer die Armen und Ärmsten zu sich nach Hause gebeten, ihr das Wenige angeboten, das sie hatten.

Dass sie Frauen fotografiere, habe auch damit zu tun, dass jenseits der kommerziellen Oberflächlichkeit des Images von Models die ausgestellte Sichtbarkeit von Frauen weltweit nicht wirklich üblich oder erwünscht sei. Angefangen von der eigenen Unsicherheit ("ich hab doch gar kein Make-up auf") bis hin zu dem Zwang in einigen Regionen des Erdballs, erst einmal den Ehemann, Bruder, Vater fragen zu müssen, sei die Ausstellung von Frauen keineswegs überall selbstverständlich. (Wobei Noroc etwas ironisch annimmt, dies sei bei Männern von vorne herein kein Problem.)

Der aus dem  Projekt resultierende Fotoband versammelt mehr als 500 Portraits mit kurzen Erläuterungen. In der Vielgesichtigkeit der wirlich globalen Topographie diese Projekts ergibt sich über das Interesse an den Individuen hinaus das Anliegen Norocs als ein unerwartet politisches: Die vereinheitlichende Sicht auf durchaus sehr unterschiedliche Menschen erzeugt eine vage Stimmung jener Zusammengehörigkeit, die  historisch auch Edward Steichens "Family of Man"-Projekt von 1951 intendierte.

Die Schlange der BesucherInnen zur Signierung des Buches, das jetzt auch auf Deutsch erschienen ist, zog sich an diesem regnerischen Abend in Kreuzberg noch lange hin...

 

(Siehe Veranstaltungshinweis unter "Aktuelles")


neue und nicht so neue Wellen des rumänischen Films

 

Spätestens seit Cristi Mungius Auszeichnung 2007 mit der Goldenen Palme von Cannes für seinen Film "4 luni, 3 săptămâni, 2 zile" ist der aktuelle rumänische Film weltweit in aller Munde. Ob Cătălin Peter Netzers "Poziţia copilului" (Goldener Bär Berlinale 2015) oder Cristi Puiu "Moartea domnului Läzărescu" - junge rumänische Filme davor und danach bewiesen, dass hier kein Zufall am Werke war, sondern eine veritable Filmkultur sich entwickelt hatte, die in der gegenwärtigen Filmszenerie einzigartig ist.

Dass rumänischer Film aber auch davor bemerkenswertes leistete, haben gerade die jungen Autorenfilmer in ihren Bezugnahmen etwa auf Lucian Pintilie selbst wiederholt bestätigt. Grund genug über die "nouvelle vague" hinaus der Geschichte, den ProtagonistInnen und Abenteuern des rumänischen Films nachzugehen.