Europäische Kultur aus Rumänien

Nationaltheater "Vasile Alecsandri" in Iaşi (Jassy). Erbaut 1896 von dem Wiener Architektenatelier Fellner & Hellmer


Enescu global

Das Enescu Festival 2017 festigte seinen Ruf, eines der bestbesetzten Musikfestivals der Welt zu sein

Foto: www.kultro.de

 

September, Spätsommer, Bukarest zwischen Athenäum und Sala Mare a Palatului: Epizentrum der Musikwelt. Aufgeregte Enthusiasten, mehr oder weniger festlich gekleidet eilen über die Calea Victoria am Hilton Hotel vorbei in eine der beiden Aufführungsorte. Dabei hören sie nebenbei noch, was auf dem großen Platz auf einer Bühne geboten wird an kostenfreien Freiluftkonzerten. Tausende füllen das aus kommunistischer Zeit überkommene Betongebäude des Sala Palatului, in dem große Bukarester Massenevents der Musikwelt üblicherweise stattfinden.

 

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Foto: Enciclopedica Publishing House Bucureşti

Iris Barbura wieder entdeckt!

 

Sie war eine der bedeutendsten Tänzerinnen der Moderne aus Rumänien. In Deutschland bei den Legenden Mary Wigman, Gret Palucca u.a. ausgebildet, in Bukarest bald die No. 1 der Tanzszene in den Zwischenkriegsjahren.

Jetzt wurde sie wiederentdeckt - und ihre jahrelange Liaison mit dem Dirigenten Sergiu Celibidache. In Berlin war ihr im Frühjahr 2017 eine faszinierende Ausstellung gewidmet, an der ihre Schülerin Beth Soll teilnahm und als Hommage an ihre einstige Lehrerin eine Einstudierung mit SchülerInnen des Bukarester Liceul de coreografie "Florea Capsali" aufführte. Jetzt gibt es auch eine englischsprachige Biographie mit zahlreichen unveröffentlichten Fotos ...

 

Iris Barbura             Don't think - dance dance dance

 

Es war eine kleine Sensation, die von den lokalen und überregionalen Medien nicht wahrgenommen wurde: Im Frühjahr 2017 veranstalteten die Alexander und Renata Camaro Stiftung, das Centrul Naţional al Dansului Bucureşti (Nationales Zentrum für Tanz) und das Deutsche Tanzarchiv Köln im Camaro Haus in Berlin eine Ausstellung zu der rumänischen Tänzerin Iris Barbura. In bisher kaum bekannten Fotos und Schriften, Zeichnungen, Aufführungszetteln u.ä. wurde plötzlich eine künst-lerische Existenz detailliert sichtbar, die selbst vielen anwesenden Rumänen vorher kein Begriff gewesen war. Dabei begeisterte Iris Barbura in der Zeit um den Zweiten Weltkrieg das Bukarester Publikum mit ihren Tanzauftritten: Sie wurde jüngste Ballettmeisterin am Rumänischen National-theater, gab Soloaufführungen, gründete ein eigenes Tanzstudio. Im Zusammenhang der Ausstellung gab Barburas frühere Schülerin Beth Soll einen beeindruckenden Auftritt, der den expressionistischen Ausdruckstanz Barburas in Andeutungen wieder lebendig machte. Ebenso wirksam erinnerte die tänzerische Hommage an Barbura, die Beth Soll mit SchülerInnen des Lyzeums "Florea Capsali" aus Bukarest einstudiert hat.

Nach Ausbildung im Studio bei Florea Capsali und Aufenthalten in Österreich und Deutschland bei Kreutzberg, Paluca, Wigman, hatte Barbura in Bukarest den Pianisten Sergiu Celibidache getroffen, der damals noch vor allem auf Jazz schwörte. In seiner musikalischen Begleitung gab sie Soloauftritte und tourte mit ihm auch durch Unterstützung des rumänischen Staates in den skandinavischen Ländern. Als Celibidache die Möglichkeit erhielt, in Berlin bei Heinz Tiessen zu studieren, ging auch Iris Barbura wieder nach Deutschland.

In der durch die fatale Teilnahme Rumäniens  am Zweiten Weltkrieg bedingte Annäherung an Hitler-Deutschland bot sich dem Paar trotz der schwierigen äußeren Umstände die Möglichkeit zu gemeinsamen Auftritten und Studium. Barbura wirkte zeitweise wie ein Aushängeschild der gemeinsamen Kulturpolitik der Kriegsverbündeten. Das Ende des Krieges brachte der Tänzerin in Berlin eine schwer wiegende Rückenverletzung durch eine Granate, während Celibidache zum gefeierten Dirigenten der Berliner Philharmoniker aufstieg. In den Trümmern der Stadt trat Barbura mit dem Wigman-Schüler und Maler Alexander Camaro in dem legendären surrealen Künstlerkabarett "Die Badewanne" auf. In der Ausstellung wurden durch die seltenen Aufnahmen, Briefe und Fotos diese Arbeiten der Barbura ungewöhnlich plastisch.

Die einschneidende Trennung von Celibidache und die Unmöglichkeit der Rückkehr ins kommunistisch gewordene Rumänien veranlassten die "Displaced Person" wie viele andere, in die USA auszuwandern. In der Universitätsstadt Ithaca eröffnete sie ein Tanzstudio für den Nachwuchs. Pläne für eine Rückkehr nach Europa oder gar Rumänien realisierten sich nicht - die von Depressionen heimgesuchte Künstlerin nahm sich 1969 das Leben.

Die Berliner Ausstellung und der schmale Begleitband eröffneten den Blick auf eine Künstle-rinnenbiographie, die nach mehr verlangte: genaueren Details der künstlerischen Entwicklung, aus-führlicherer Fotodokumentation, plastischerer Hervorhebung ihres Milieus. Einen entscheidenden Schritt in diese Richtung macht das englischsprachige, reich illustrierte Buch im Album-Format von Alexandru Muşat "Iris Barbura. Don't think - dance, dance, dance". Muşat ist ein emeritierter Medi-zinprofessor von der Universität Madison/Wisconsin, der seit Jahren eine akribische Recherche zu Celibidache und Barbura durchführte und jetzt viele Quellen und Dokumente erstmals publiziert, so dass eine solide Basis der Biographie von Iris Barbura entstanden ist. Der Glücksfall bei dieser Suche war die Bekanntschaft mit dem Tänzer Vergiu Cornea, der seit der Kindheit in Rumänien Barbura kannte, mit ihr ein Studio gründete, auch in Berlin wohnte und dann in Ithaca mit ihr zusammen arbeitete. Trotz vieler Verluste von Material im Laufe der Jahrzehnte gelang es Muşat, von der Geburt in Ineu bei Arad an über die Bukarester und Berliner Jahre bis hin zu ihren Schülerinnen in Ithaca Dokumente, Fotos und Personen auffindig machen, die das Bild der Tanzkünstlerin Iris Barbura endgültig dem Vergessen entreißen. Hingewiesen sei nur etwa auf das Kapitel, das Celibidaches Wirken in der Bukarester Tanzschule skizziert und seine initiale Bekanntschaft mit Barbura. Wie gedruckte Briefe und Tagebuchaufzeichnungen aus der Bukarester künstlerischen Szene belegen, bewegte sich Barbura in jener Zeit in den Kreisen um Nae Ionescu, Mircea Berindei, Lucia Popovici-Lupa, die auch Verbindung zu dem Schriftsteller Mihail Sebastian hatten.

Durch die beiden durch das Deutsche Tanzarchiv Köln unterstützten Unternehmungen wurde am Beispiel dieser herausragenden Vertreterin des expressionistischen Ausdruckstanzes Rumänien wieder auf der Karte des europäischen modernen Tanzes sichtbar gemacht.

 

Tribute to Iris Barbura. Hg. v. Centrul Naţional de Dans Bucureşti u. Deutsches Tanzarchiv Köln. Rumänisch-deutsch. ISBN 978-973-0-24013-9, 107 S., zahlr. Abb.

 

Alexandru Muşat: Iris Barbura. Don't think - dance, dance, dance. Encicopledia Publishing House, Bukarest 2017, ISBN 978-973-45-0736-8, 127 Seiten, zahlr. s/w-Abb.

 

 

Iris Barbura

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Color Studio, Bukarest (Aus: Muşat, Iris Barbura)


Theater in Iaşi und Piatra Neamţ

Für die Nordmoldau sind sie Leuchttürme des Theaterbetriebs: das "Teatru Naţional 'Vasile Alecsandri'" in Iaşi und das "Teatru Tineretului" (Theater der Jugend) in Piatra Neamţ haben eine lange Tradition der Bühnen und der Nachwuchsförderung. Ihre Baulichkeiten wurden vor einigen Jahren renoviert.