Philologie des Rumänischen

 

Zu den Arbeiten von Ilina Gregori

 

 

Malmkrog - Philosophie in Gesprächen

 

 

Heinrich Stiehler über die rumänische Schoah

 

-

und Wissenschaftler zu Heinrich Stiehler

 

 

 

 

 

 

 

Dieser schmale Band ist gewichtig: Durch die  originelle Anlage kann der Romanist Heinrich Stiehler ein Bild des rumänischen Holocausts skizzieren, das die wichtigsten Elemente plastisch in den Vordergrund bringt. Einleitend gibt ein knapper Überblick notwendige Informationen zur historischen Entwicklung des Antisemitismus in Rumänien seit dem 19. Jahrhundert. Hier kommen die einschlägigen Texte und Gesetze vor, die im kleinen Königreich hinter den Karpaten gegen die jüdische Bevölkerung veröffentlicht wurden, wobei die Differenzierungen der unterschiedlichen Haltungen ebenfalls aufscheinen. Mit der Vergrößerung Rumäniens nach dem Ersten Weltkrieg erhielt dieser Antisemitismus eine biologistisch-religiöse Note, deren ökonomische Motivierung aber nicht zu übersehen war. Ihre ?? führt zur mörderischen Ausrichtung während des Zweiten Weltkriegs, die Stiehler im Hauptteil des Buches durch die Präsentation von literarischen Texten und ihrer Kommentierung vor Augen führt. Dabei geht er topographisch vor: Den zentralen Orten der Shoah ordnet er jeweils 2 Texte zu. Die Situation in Bukarest wird durch einen Ausschnitt aus Filip Brunea-Fox' Reportage Orașul Măcelului über den Pogrom im Zusammenhang mit dem Legionärsaufstand von Januar 1941  sowie durch einen Ausschnitt aus dem Tagebuch des Schriftstellers Mihail Sebastian perspektiviert. In seinen Erläuterungen geht Stiehler sowohl auf die unterschiedlichen literarischen Genres wie auch die konkreten historischen Hintergründe ein. Zu dem Pogrom in Iași wenige Monate später stellt der Rumänist Passagen aus Curzio Malapartes Kaputt und Aurel Barangas Ninge peste Ucraina (Es schneit in der Ukraine) gegenüber, wobei Malaparte sich lediglich als Augenzeuge inszeniert, während Baranga als "sekundärer Zeuge" auftritt, der für die Zeugen spricht "noch zu deren Lebzeiten und aus Verantwortung für kommende Generationen". (66) Für Czernowitz (Cernăuți) stehen Texte von Isak Weißglas und Robert Flinker. Ersterer berichtet über die zweite Deportationswelle im Sommer 1942, die auch seine Familie betrifft. Flinker schildert in seinem Roman Der Sturz den Aufmarsch eines neuen Präsidenten in einer fiktiven Stadt, die Stiehler als des Autors Heimatstadt Czernowitz in einer Situation der Vorphase des kommenden Unheils  interpretiert. Die Deportationen verfrachten die Czernowitzer und nordmoldauischen Juden nach Transnistrien, dem der Band das Gedicht Krieg der Toten von Weißglas' Sohn Immanuel und einen Ausschnitt aus Edgar Hilsenraths Roman Nacht  widmet. Weißglas ruft ein Totenreich auf, in dem die Opfer den Ausbruch des Krieges reflektieren, während Hilsenrath in seinem berühmten Buch schonungslos das Überleben in der Deportation schilderte. Stiehler hebt auch an diesen Beispielen die historischen Hintergründe hervor und diskutiert bei Hilsenrath die Funktion seiner Schonungslosigkeit.

Eine knapper Hinweis auf die Roma in Transnistrien und Kurzbiographien der vorgestellten Autoren schließen den Band ab.

Wer mehr über die Arbeit und das Leben des Autors Stiehler erfahren möchte, wird zu der Festschrift anläßlich seines 70. Geburtstags greifen. Von Carola Heinrich und Thede Kahl herausgegeben versammelt der umfangreiche Band eine Reihe von Beiträgen, die deutlich machen, wie sehr Stiehler einer kritischen Rumänistik  zugearbeitet hat. Biographisch ergiebig ist vor allem eine Darstellung aus der Feder des Freundes und Gewerkschaftsdozenten Hans-Rudolf Schiesser über den Weg des Frankfurter Studenten und Wissenschaftlers über Klagenfurt an die Wiener Universität. Im virtuellen Zentrum des Textes steht eine Studienfahrt mit Stiehler durch Rumänien im September 1989(!!). Der Bukarester emeritierte Philologe Mircea Martin erinnert ebenso an frühe Begegnungen mit Stiehler, während Christian Delrue von der französischen Gesellschaft der Freunde Panait Istratis deren Vizevorsitzenden grüßt.  Zentral im Werk Stiehlers steht die Beschäftigung mit dem vor allem auf Französisch schreibenden rumänischen Autor Panait Istrati, dem die Habilschrift wie auch eine 14-bändige deutsche Ausgabe galt. Zu Istrati handeln in dem Sammelband auch Zamfir Bălan mit unedierten Briefen an Mihai Sadoveanu und Serguei Feodossiev mit Texten über Istrati aus der russischen Exilzeitschrift Vozrojdenie.

In ihrem Aufsatz zur Rumänisierung in der Bukowina nach dem Ersten Weltkrieg weist Mariana Hausleitner darauf hin, dass Stiehler auch einer der ersten war, der die Lyrik Paul Celans in der deutschsprachigen jüdischen Kultur von Czernowitz verortete. Klaus Bochmann und Wolfgang Dahmen geben in Übersichtsartikeln Einsicht in die Entwicklungen der rumänischen Linguistik bzw. in die nicht sehr angemessen repräsentierte Rumänistik in Deutschland und der Schweiz. Mit Bochmann hat Stiehler eine Einführung in die rumänische Sprach- und Literaturgeschichte (Bonn 2010) geschrieben. Abgeschlossen werden die durch Farbfotos ergänzten Bezugnahmen auf seine Arbeiten durch "Literarische Grüße" von Liviu Papadima, Ioana Nichiti und Constantin Abăluță.

Die weiteren Arbeiten der Festschrift widmen sich in 4 Abschnitten den Hauptarbeitsgebieten Stiehlers: der rumänischen, der französischen, der deutschen Literatur sowie der Mehrsprachigkeit. Im rumänischen Teil gehen Aurelia Merlan und Anke Pfeifer der Semantik der Donau in??? nach.

 

Eine Reihe von Texten widmen sich der Mehrsprachigkeit, zu der Stiehler ebenfalls publizierte.

(Eine Vorstellung  der weiteren wissenschaftlichen Aufsätze erfolgt gesondert.)

 

 

Heinrich Stiehler: "Nacht". Die rumänische Schoah in Geschichte und Literatur. Wien: Theodor Kramer Gesellschaft 2019 (= Antifaschistische Literatur und Exilliteratur - Studien und Texte 31), 131 Seiten, ISBN 978-3-901602-84-9

 

Carola Heinrich / Thede Kahl (Hg.): Litterae - magistra vitae. Heinrich Stiehler zum 70. Geburtstag. Berlin: Frank & Timme 2018 (Forum: Rumänien 38), 498 Seiten, ISBN 978-3-7329-0464-8, zahlr. Farbabb.


 

Abbilder des Grauens

Ein Fotoband über das Pogrom von Iaşi

 

in diesem dichten Verweisungszusammenhang bleiben einige offene Fragen nicht zu übersehen. So wird zwar auf die hierarchische Struktur des von wenigen Zentren dominierten früheren  nationalen ?? verwiesen, in dem es "kleinere" Literaturen nur als "marginale" Mitspieler in der Weltliteratur gab, die häufig lediglich als Nachahmer und Imitatoren der Großen wahrgenommen wurden. Es ist allerdings nicht erkennbar, inwieweit das neue Konzept selbst nicht lediglich Produkt der aktuellsten Überlegungen in den US-amerikanischen, französischen und englischen Universitätsseminaren ist, das nun auch in entfernter gelegene Regionen schwappt. Zwar bietet es zahlreiche Hinweise auf einen gleichartigen  Status der nicht zentralen Literaturen, aber es bleibt unübersehbar, dass die Gefälle des globalen Systems theoretisch nicht eingefangen wird.

Der graubärtige Mann im Zentrum des nebenstehenden Fotos steigt als einer der letzten in einen Güterwaggon am Bahnhof von Iaşi.  Er blickt zurück, weil offensichtlich jemand unter den

 

Abb.: Indiana University Press, Bloomington

 

 

 

Uniformierten mit ausgestrecktem Arm und Zeigefinger auf ihn zeigt und etwas sagt. Es sind fast nur noch Uniformierte zu sehen - mit Tellermützen, Käppis, Gürteln, Waffen, Umhängetaschen, Epauletten.

Im unscharfen Hintergrund könnte noch ein Zivilist zu identifizieren sein. Es scheint nur ein sehr enger schlauchartiger Korridor neben dem Zug zu sein, der die Uniformierten aufnimmt. Hinter dem Graubärtigen mit der Mütze, der sich von der höheren Stufe des Güter/Viehwaggons umdreht, sind ein junger Mann erkennbar, der versucht, in den vollen Waggon zu gelangen, sowie ein weiterer Mann, der bereits in der Waggontür mit dem Blick nach innen steht.

Das Foto ist auf dem Einband des Bandes zu sehen, der zahlreiche der mittlerweile bekannt gewordenen Aufnahmen jenes unmenschlichen Geschehens in Iaşi versammelt, das Ende Juni bis Anfang Juli 1941 sich abspielte. Es sind verstörende Bilder der Gewalt, die aus unterschiedlichen Archiven zusammengetragen wurden.

Als Einführung gibt ein Text des als Herausgeber genannten Radu Ioanid, Direktor beim US Holocaust Museum in Washington, eine knappe Darstellung des Geschehens aufgrund von Archivdokumenten und Publikationen wie Cartea Neagră  von Matatias Carp, das 1948 in zwei Bänden erschien, Marius Mircu Pogromul de la Iaşi unmittelbar nach Kriegsende 1945 publiziert oder der sechsbändigen Quellenedition von Jean Ancel Documents concerning the Fate of Romanian Jewry during the Holocaust, New York 1986. Allerdings zieht Ioanid auch die einzige größere Publikation in kommunistischer Zeit heran, die stark ideologisch gefärbt ist: Aurel Kareţki, Maria Covaci, Zile însîngerate la Iaşi, 1941. Bucureşţi 1978, in der das Bild eines von der Bestialtität der Deutschen angestifteter gesellschaftlicher "Abschaum" sich habe zu Mordtaten hinreißen lassen.

 


Dragnea in Bern - "#Rezist" auch

 

Die Einladung des Schweizer Nationalrates an die Spitze der rumänische Abgeordnetenkammer scheint eine Normalität auszudrücken - da deren Präsident aber Liviu Dragnea ist, wundern sich viele über diese Aufwertung des Politikers auf internationalem Parkett.

 

Vor einigen Tagen meldete die rumänische Presse, dass die Leitung des Abgeordnetenhauses - darunter dessen Präsident Liviu Dragnea (PSD), der Vizepräsident und Abgeordnete Petru Gabriel Vlase (PSD), Anca Spiridon, Generaldirektorin  der Kanzlei des Abgeordnetenpräsidenten, sowie Paul Mihail Ionescu und Paula Turcu als Berater - am 29. bis  31. Mai in Bern den Schweizer Nationalrat besuchen werden. Ausgesprochen wurde die Einladung von dessen Präsidenten Dominique de Buman.

Was hier so geschäftsmäßig aussieht, hat Proteste der Zivilgesellschaft in der rumänischen Diaspora in der Schweiz hervorgerufen. In einem offenen Brief  an den Nationalratspräsidenten du Buman drückt "#Rezist Zürich" seine "tiefste Enttäuschung über Ihre Initiative aus, eine so hoch kontroverse politische Person ins Schweizerische Parlament einzuladen".  Dragnea sei "strafrechtlich verurteilt und sitzt gerade seine zweijährige Strafe für Wahlfälschung auf Bewährung ab." Der Empfang des rumänischen Politikers stehe "im Widerspruch zu den internationalen Bemühungen der Schweiz zur Einhaltung europäischer Standards im Bereich Rechtsstaatlichkeit und Unabhängigkeit der Justiz in Rumänien" und der Bekämpfung der Korruption.

Besonders auffällig sei die Tatsache, dass gerade am 29. Mai gegen Dragnea ein weiteres Urteil anstehe:

Dann entscheidet der höchste Kassationsgerichtshof über ein Verfahren wegen Amtsmissbrauch, in dem die Staatsanwälte auf 7 Jahre und weitere 2 Jahre Haft plädieren. "#Rezist Zürich" findet besonders skandalös, dass an diesem Tag Dragnea offiziell im schweizerischen Parlament empfangen werde und sich nicht dem Urteil in Rumänien stelle.

Mittlerweile hat der Schweizer linke Abgeordnete Sommaruga in einem Interview seine Verwunderung über die Einladung des verurteilten und weiterhin angeklagten rumänischen Politikers ausgedrückt: "Es erscheint mir inopportun, in der Schweiz einen Politiker zu empfangen, der verurteilt und angeklagt ist, besonders wenn dies gerade an dem Tag stattfindet, an dem er ein weiteres Urteil erwartet. Durch diesen Besuch, hinterlässt Liviu Dragnea den Eindruck, dass er die Entscheidung des höchsten Gerichts politisch beeinflussen will, indem er zeigt, dass er in einer konsolidierten Demokratie wie der Schweiz willkommen ist. Ich glaube, das Schweizer Parlament wurde von Liviu Dragnea manipuliert."

"#Rezist Zürich" hat für Mittwoch zu einer Demonstration in Bern aufgerufen.

 

Romanians got talent...

+

Flaviu Cernescu hat über 3 Millionen Klicks auf Youtube für einen dreiminütigen Video-Clip. Aber was für einen! Nichts für Nichtschwindelfreie...

 

https://youtu.be/MtFLKmb2w7A

https://de-de.facebook.com/flaviucernescu/


Die Eröffnung der Leipziger Buchmesse im vollbesetzten Gewandhaus stand deutlich im Zeichen der vor Beginn aufgekommenen Diskussion um den angemessenen Umgang mit Verlagen und Autoren, die "rechtem", hier gemeint rechtsradikalem Gedankengut nahe stehen. Sowohl Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels als auch Ministerpräsident Michael Kretschmer versuchten in dieser Diskussion zu differenzieren, als auch deutlich zu machen, dass rechtsextreme Ideologien den festen Widerstand begegnet werden müsse. Wie Skadi Jaennicke,die Bürgermeisterin Leipzigs zeigten auch sie sich überzeugt, dass dies erfolgreich möglich sei.

Nach der musikalischen Begleitung durch das Gewandhausorchester unter Andris Nelson

folgte die Verleihung des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung. Verena Luekens Laudatio war eine bewegende Variation auf das Gebot "Du sollst nicht töten", von dem aus das Buch Asne Seierstads über den norwegischen rechtsradikalen Massenmörder Breivik als aussergewöhnliche literarisch-journalistische Arbeit gewürdigt wurde. In ihrer Dankesrede ging Seierstad auf diese doppelte Herangehensweise ebenso ein wie auf die Notwendigkeit der Bücher: Um das Andenken an eines der Opfer zu bewahren, die versuchte, mit Breivik zu reden und von ihm erschossen wurde, "dieses ungeheuer mutigen Mädchens, dürfen wir die Ideen, für die sie stand, nie aufgeben. Und unsere einzigen Werkzeuge sind dieselben, die sie wählte: Worte. Auf lange Sicht sind sie stärker."

 


 

Der Eröffnung der Buchmesse im vollbesetzten Gewandhaus war deutlich die einige Zeit davor aufgekommene Debatte über das Verhältnis zu 'rechten' und rechtsradikalen Verlagen und Autoren anzumerken. Sowohl Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, als auch der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer mahnten Differenzierungen und inhaltliche Auseinandersetzung an, liessen aber auch keinen Zweifel, dass dies die erfogreichen Formen gegen den Populismus seien. Der rumänische Aussenminister Teodor Meleșcanu hingegen beschrieb die Rumänen als überzeugte Europäer und wies auf die Beziehungen zwischen Leipzig und Bukarest hin.

Es folgte die Verleihung des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung. Verena Luekens Laudatio war eine bewegende Variation auf das Gebot "Du sollst nicht töten", von dem aus sie das Buch Asne Seierstads über den norwegischen rechtsradikalen Massenmörder Breivik als aussergewöhnliche literarisch-journalistische Arbeit würdigte. In ihrer Dankesrede ging Seierstad auf diese doppelte Herangehensweise ebenso ein wie auf die Notwendigkeit der Bücher: Um das Andenken an eines der Opfer zu bewahren, die versuchte, mit Breivik zu reden und von ihm erschossen wurde, "dieses ungeheuer mutigen Mädchens, dürfen wir die Ideen, für die sie stand, nie aufgeben. Und unsere einzigen Werkzeuge sind dieselben, die sie wählte: Worte. Auf lange Sicht sind sie stärker."

Im Foyer fanden die aufgeworfenen Themen ihre Fortsetzung in Diskussionen bei Getränken und Häppchen.

Universität Jena

 

Institut für Romanistik

 

 

Prof. Dr. Valeska Bopp-Filimonov

 

 

Abb.: Institut für Romanistik

 

 

Rumänische Kulturtage Jena

 

31.01.2018 - 02.02.2018

 

Programm hier

 

 

 

 

 Mihaela Noroc:

 

The Atlas of Beauty.

 

 

 

Fotoausstellung f3 - freiraum für fotografie

 

10179 Berlin, Waldemarstr. 17

 

16.11. 2017-21.01.2018